"Da können die Kölner einpacken": Oberpleiser Narrenzunft feiert ausgelassene Prunksitzung

"Da können die Kölner einpacken" : Oberpleiser Narrenzunft feiert ausgelassene Prunksitzung

Schon beim dritten Lied hielt es in keinen mehr auf den Stühlen, auch Prinz Witaly I. und Prinzessin Barbara I. rockten auf ihrem Thron stehend ausgelassen mit. Prinzenorden gab es für drei verdiente Jecken.

Heiß, heißer, Druckluft – die junge Bonner Brassband brachte die Aula des Schulzentrums in Oberpleis zum Überkochen. Es war eine regelrechte Lehrstunde in Physik bei der Prunksitzung der Narrenzunft: Als die 13 Musiker in ihren bunten Anzügen und glitzernden Kleidern in den Oberpleiser Narrentempel einzogen, war die Stimmung bereits knapp vor dem Siedepunkt. Die hauseigenen Tanzgarden, die Kölner Prinzengarde, Kabarettist Jürgen Beckers als Hausmann und die Köbesse hatten den Dampfkessel schon angeheizt.

Die Jungs und Mädels von Druckluft drehten dann voll auf, und die so zugeführte Energie hatte am Ende in der proppenvollen Aula nur eine Möglichkeit, sich zu entladen: nach oben. Schon beim dritten Lied hielt es in keinen mehr auf den Stühlen, auch Prinz Witaly I. und Prinzessin Barbara I. rockten auf ihrem Thron stehend ausgelassen mit. Ein fetziger Brass-Sound, wilde und zugleich virtuos gespielte Geigensoli und der Einsatz einer Röhrentrommel sorgten für eine höchst explosiven Mischung – im positiven Sinne.

Es war natürlich nicht nur die Band Druckluft, die die Prunksitzung ausmachte, es war die ausgewogene Mischung aus hochkarätigen Rednern, Tanzcorps und Musik. So konnten sich die Jecken schlapp lachen über das, was Redner-Legende Fritz Schoops zu verzällen hatte, den Atem anhalten beim spektakulären Auftritt der Höppemötzjer und zu den Hits der Kölsch Fraktion so richtig abrocken.

Fit in kölscher Sproch

Auch der Tuppes vom Land sorgte dafür, dass kein Auge trocken blieb – und dafür, dass nun aber auch jedermann in Sachen kölsche Sproch fit für die tollen Tage ist. Gegenstand des Crash-Kurses war unter anderem die sogenannte Kölsche Verlaufsform: „So sagt man nicht, ich bin gleich satt, sondern – und das gibt es nirgendwo auf Erden – ich bin gleich satt am werden.“ Auch auf den Einfluss des Chinesischen auf die kölsche Sprache – oder anders eröm – ging er ein. Beispiel: „Is dat ming Sching? Ne, dat Ding is nit ming, sching ding Sching so sin.“

Doch mehr als tausend Worte sagt stets ein Prinzenorden. Dieser wurde im Rahmen der Prunksitzung an gleich drei verdiente Karnevalisten überreicht: Elferratsmitglied Wolfgang Hilger, Daniel Landsberg aus dem Funken-Corps und – eine Person, die sich hinter den Kulissen für den Fastelovend engagiert – Gertrud Herber. Sie schneidert die schmucken Kostüme der Narrenzunft, und ihre Nähmaschine schnurrt zurzeit unermüdlich.

Einfach rundum glücklich waren an diesem Abend die Pleeser Tollitäten und zwar nicht nur, „weil du als Prinz alles machen kannst, was du willst“, was Witaly I. seit seiner Proklamation natürlich auch schon ausgiebig ausgekostet hat, sondern weil sein Oberpleiser Narrenvolk einfach spitzenmäßig gut drauf war: „Da kommst du in den Saal rein und alle tanzen. Aber nicht für mich, sondern weil es einfach Spaß macht. Das ist Karneval.“ Auch die Funken wuchsen bei ihrem Auftritt geradezu über sich hinaus: Ob beim Stippeföttche oder beim Präsentieren der Klabüs – die Blau-Weißen gaben an diesem Abend alles. Kein Wunder, schließlich ist der Prinz ja einer von ihnen. „Nach dem Gewibbele he können die Kölner einpacken“, lautete das einhellige Urteil von Prinzenpaar und Kommandant.