Bürgermeister chancenlos: Sissis Charmeoffensive erobert Linzer Rathaus

Bürgermeister chancenlos : Sissis Charmeoffensive erobert Linzer Rathaus

Die Kaiserin von Österreich alias Yvonne I. hat leichtes Spiel gegen die Preußen um Bürgermeister Hans Georg Faust: Das Rathaus gehört ihr.

Linz ist fest in Narrenhand: Stadtbürgermeister Hans Georg Faust überließ der „Kaiserin der Herzen“ für drei Tage das Rathaus als Residenz. Als Sissi war Prinzessin Yvonne I. ins 19. Jahrhundert abgetaucht, um am Sonntagmittag als Kaiserin Elisabeth von Österreich mit Baron Thilo von Henzel, Fürst Oli von Barockhaus und ihrer Kanzlerin, Gräfin Heike von Paffhausen, in einer Kutsche ihre Heerscharen auf den Marktplatz zu führen.

Eigentlich war ihr Ziel ja Linz an der Donau, eine der Perlen Österreichs. Allerdings hatte sich „Flügeladjutant“ von Henzel bei seiner Visitationsroute um knapp 700 Kilometer vertan. So waren die Österreicher im preußischen Rheinland gelandet, in dem Graf Tamás Balássy (1. Beigeordneter Thomas Balasus) nach seinem misslungene Putsch gegen Wien Asyl gefunden hatte.

„Was ist denn hier los? Was soll der Aufzug der bunten Truppen? Strünzerball und Bürger-Frühschoppen sind doch vorbei. Ich bin der Bürgermeister von Linz am Rhein – und wer seid Ihr?“, wollte der Stadtchef wissen. Und schon stellte ihm Paffhausen die Gemahlin Seiner K.u.K. Apostolischen Majestät, Franz Josef I. von Österreich, vor, die „Landesherrin“. „Da hättet Ihr auf dem Wiener Kongress anders tanzen müssen. Die bunte Stadt am Rhein – das Bollwerk des rheinischen, alles verzeihenden Katholizismus, die Hochburg des Karnevals – ist seit 1815 preußisch“, belehrte Faust die „Wiener Kaffeehausstrategen“ und wies auf seine preußisch gedrillten Stadtsoldaten hin.

„Operettenclowns in Uniform“

Mit solchen staatsen Truppen habe der Alte Fritz schon Kaiserin Maria Theresia Schlesien abgenommen, und seit ihren Schießübungen mit den Sebastianern könne keine Armee der Welt sie aufhalten, schon gar nicht Sissis „Operettenclowns in Uniform“, höhnte Faust. „Ihr seid Dank der genialen Navigationskünste Eures Adjutanten in der falschen Stadt. Ich zeige Euch Touris noch den Weg zu Kaiser's Kaffee im Meusch-Center, und dann haut wieder ab“, blaffte er.

Tief beleidigt von dem aus Hessen emigrierten „Beute-Preußen“, sann Sissi auf Rache, als Balássy eingriff. „Krieg war noch nie ein Mittel der Politik im Felix Austria, das lieber nach dem Motto vorging: Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate! Wir sollten mal nachfragen, was die Kaiserin denn von uns will“, riet er dem Stadtchef. Wiener Würstchen statt Uhles, Kaffee als kleiner Brauner statt Kölsch, mutmaßte der und setzte zunächst weiter auf die Stärke seiner Stadtsoldaten und die festen Mauern des Rathauses. „Zeigt den Kerlen und der Kitschkaiserin Sissi, wo der Hammer hängt. Auf sie mit Gebrüll! Ihr bekloppten Österreicher, es gibt für Euch kein Linz und kein Rathaus. Nur über meine Leiche!“

Das mit der Leiche nahm Baron von Henzel gerne an: „Zu den Waffen! Mozartkugeln in die Flinten. Legt an!“, befahl er. Bis Sissi Einhalt gebot und Faust ihr des Friedens willen doch noch das Rathaus bis Aschermittwoch überließ. „Lieber Kölsch als Blut, lieber Karnevalslieder als Marschgesang, lieber rheinischer Frieden als preußischer Kampf. Nur eins bitte nicht: Stippeföttche statt Wiener Walzer!“, gab Sissi als Motto aus, bevor sie sich mit ihrem „Herzchen“ Balássy den Stadtschlüssel für drei Tage abholte. Und sie diese Regentschaft stilecht mit einem Walzer einläuteten.