Merten: Agnes Kiel verlässt die Karnevalsbühne

Abschied vom Damenkomitee Rot-Weiß Hemmerich : Agnes Kiel verlässt die Karnevalsbühne von Merten

Nach 55 Jahren zieht sich die Ehrenpräsidentin des Damenkomitees Rot-Weiß Hemmerich zurück. Bei der Jahreshauptversammlung der jecken Damen wurde Doris Grüsgen mit dem RSE-Verdienstorden ausgezeichnet.

Überraschung pur: Auszeichnung und Abschied kennzeichneten die Jahreshauptversammlung des Damenkomitees Rot-Weiß Hemmerich im Wirtshaus Zur Heide in Merten. Als Josef Breuer und Frank Schneider als Bezirksvertreter des Bunds Deutscher Karneval den Raum betraten, ahnten die zehn Frauen des Damenkomitees, dass etwas Besonderes in der Luft lag.

Denn der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Merten und der Präsident der KG Blau-Weiß Vorgebirge hatten für Doris Grüsgen den RSE (Rhein-Sieg-Eifel)-Verdienstorden in Gold im Gepäck „als Auszeichnung für stolze 33 Jahre im Verein“, so Schneider in seiner Laudatio.

Die 71-Jährige, die als Rösbergerin seit 1973 im Nachbarort wohnt, engagierte sich von Anfang der 90er Jahre bis 2006 als Kassiererin für den jecken Damenclub und stand bei den jährlichen Sitzungen immer wieder im Zwiegespräch oder als Tänzerin auf der Bühne. Auch außerhalb der fünften Jahreszeit setzt sich Grüsgen für „ihre“ Damen ein: Ob Kuchenbacken oder Kostüme schneidern für die Vereinsmitglieder – auf die tätige Hilfe des jahrzehntelangen Mitglieds ist bis heute Verlass. Sie erinnert sich gerne an das Tanztraining unter der Federführung von Agnes Kiel, die ihre „Mädels“ immer wieder zu Höchstleistungen antrieb.

Für Kiel war die Vorbereitung zur traditionellen „Weibersause“ an Weiberfastnacht stets ein Höhepunkt im Jahr. Am Mittwoch wurde die 77-jährige ehemalige Vorsitzende, seit elf Jahren Ehrenpräsidentin des Vereins, verabschiedet – nach 55 Jahren Mitgliedschaft.

 Kiel wuchs in Bornheim auf, seit ihrer Heirat mit Johann Kiel 1963 wohnt sie in Hemmerich. Bald darauf trat sie dem 1956 gegründeten Damenkomitee bei und übernahm für 36 Jahre den Vorsitz, den die leidenschaftliche Karnevalistin vor elf Jahren an Petra Schumacher abgab. Doch auch als Ehrenpräsidentin nahm sie noch jahrelang Einfluss aufs Programm der Jahressitzung.

Seit 2019 veranstaltet das Damenkomitee keine Sitzungen mehr. „Als wir unseren Saal im Schützenhof aufgeben mussten, ging es mit unseren Veranstaltungen leider bergab. Zunächst fanden die in der Kneipe Beim Piepsch statt, dort hatten wir 80 Zuhörer. Das war für den ganzen Aufwand zu wenig. Anschließend hatten wir das Festzelt an der Kreuzbergstraße. Dort hatten wir zwar mehr Besucher, aber für ein Festzelt zu wenig. So beschränken wir uns heute auf die Mundartmesse, die im ganzen Vorgebirge einen guten Ruf hat“, erklärte Helene Sutorius, die seit 2019 gemeinsam mit Maria Eichen den Vorsitz innehat.

Kiel hat in den vergangenen Jahren immer wieder festgestellt, dass sich das Verständnis von Brauchtum verändert hat. „Die junge Leute wollen heute mehr Party mit viel Musik machen. Für mich beinhalten Sitzungen Zwiegespräche und Büttenreden.“ Sie selbst stand immer wieder auf der Bühne. Ob im „Mädchenpensionat“ (1969), bei der „Verjüngungskur“ (1992), als „Buurehuzig“ (1979) oder als „Seilbahn“ (2000) – „ich war immer eher der Bauerntrampel als die feine Dame“, so Kiel schmunzelnd.

Auch künftig wird Karneval für die Wahl-Hemmericherin ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens sein. Sitzungen in Brühl und der Kölner Karnevalszug sind in diesem Jahr bereits fest eingeplant. „Karneval ist für mich eine der schönsten Jahreszeiten.“ Dass sie einmal ihre Tätigkeit im Damenkomitee beenden würde, stand für sie immer schon fest. Für sie ist der Zeitpunkt jetzt richtig gewählt, „denn man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist“.

Für ihren unermüdlichen Einsatz in der fünften Jahreszeit hat der Bund Deutscher Karneval Kiel in den vergangenen Jahren gleich zweifach ausgezeichnet. So erhielt sie den Verdienstorden in Gold und als höchste zu vergebende Ehrung den Verdienstorden in Gold mit Brillanten.