Zöch in Alfter und Merten: Traumschwiegersöhne und närrische Friesen

Zöch in Alfter und Merten : Traumschwiegersöhne und närrische Friesen

Pünktlich zum Start der Veilchendienstagszüge Alfter und Merten fielen die letzten Regentropfen vom Vorgebirgshimmel, und die Sonne schien herab. Dann regnete es nur noch Kamelle und Strüßje.

Es war kein schlechtes Omen, dass gleich zwei Gruppen – „Die Rebellen“ sowie „Dorothee und die Immis“ – für ihre Teilnahme am Alfterer Veilchendienstagszug das Motto „Alfter geht baden“ gewählt hatten. Pünktlich zum Start fielen die letzten Regentropfen vom Vorgebirgshimmel, und die Sonne schien herab.

Rund 45 Fußgruppen und Wagen zogen fröhlich durch die Straßen – allerdings ohne zu vergessen, wie nah Freude und Trauer beieinanderliegen. So erläuterte Ortsausschussvorsitzender Klaus Hergarten, dass die Laufnummer eins nicht mehr vergeben werde, um so an Bernhard Schneider zu erinnern. Alfters bekannter Fändelschwenker war Rosenmontag 2018 im Alter von 77 Jahren gestorben.

Hergarten moderierte den Zug von der Tribüne am Hertersplatz. Nicht nur dort zogen unter anderem die närrischen Friesen des Männergesangvereins Concordia, die Helden der Asterix-Comics (Gruppe „Die Appolonias), die Hippies des Fördervereins „Haus der Alfterer Geschichte“, die jecken Jäger der Gruppe „Prosecco Club“, Nixen und Neptune („Gruppe Kutschberg“) oder auch lustige Hühner (Gruppe „Promillefeen“) vorbei. Die Formation der Lektoren und Kommunionshelfer der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Matthäus hatten sich als Pantomimen verkleidet. Sie wurden von Hergarten mit Alaaf und Halleluja begrüßt. Definitiv kein Problem mit Abgaswerten hatten die Damen der Gruppe „Ausflug“. Die Motorbienen düsten mit ihren Mofa-Imitaten über den Asphalt. Die Fahrzeuge waren ebenso ein Traum in Pink wie die Röcke der Clown-Gruppe „Schnittchen“. Derweil schwangen die Mitglieder des Tennisclubs Alfter die Schläger. Und da es sich ohne Netz nicht gut spielen lässt, hatten sie einfach eines an ihrem Prunkwagen befestigt, um die Pausen im Zug für ein Spielchen zu nutzen.

Apropos Prunk: Erster Zughöhepunkt war das Kinderpinzenpaar Lynn I. & Lucas I., das in puncto Stimmung den großen Tollitäten in nichts nachstand. Begleitet von der Prinzengarde Alfter bildete das strahlende „große“ Prinzenpaar Chris I. und Sabrina I. den Abschluss des Zuges. Nein, baden gegangen ist in Alfter am Dienstag niemand – höchstens in Kamelle.

Gemächlich tuckerte Uwe Malberg mit seinem Lanz Bulldog aus dem Jahr 1950 die Bachstraße in Merten hinauf – auf dem Anhänger des Oldtimer-Traktors: die mobile Küche der Freiwilligen Feuerwehr. Das leckere Fleisch – seit den frühen Morgenstunden bruzelte es unter der Aufsicht von „Küchenchef“ Heinz Schaal, der als Mitglied einer befreundeten Wehr in Tübingen seit 36 Jahren jedes Jahr den Karneval in Merten feiert – auf dem Grill, 1250 Spare-Rips servierten die Wehrkameraden während des Karnevalszuges am Veilchendienstag – als Mammuts und Eskimos brachten die 60 Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche ein wenig arktische Luft ins Vorgebirge.

Als letzte närrische Veranstaltung in dieser Session waren bei sonnigem Wetter 950 Zugteilnehmer, 17 Bagage- und Transportwagen sowie fünf Musikzüge in den engen Straßen unterwegs. Mit über 250 kleinen und großen Narren bildeten die Grundschüler der Martinus-Schule die größte Gruppe. „Gemeinsam auf einer Welle“ lautete das Motto der Erst- bis Viertklässler – blaue in Streifen geschnittene Müllsäcke, gleichfarbige Kronen oder Perücken symbolisierten das Meer. Ebenso bunt und doll feierten die Mitglieder de Jecke Knallköpp, die „beim Theo aan d'r Isbud“ selber als leckere schmackhafte Kugeln vorbeidefilierten. Die kleinste Truppe des Zuges bildeten die acht Mitglieder der Gruppe Horst, die unter dem Thema „Wie Findus nach Merten kam“ jede Menge Kamelle unters Volk brachten. „Die jecken Höhner“ und „Gemischte Freunde“ waren in diesem Jahr zum ersten Mal dabei, feierten aber schon gekonnt mit. Mit goldenem Jackett hatten sich die 13 Höhner zwischen sieben und 65 Jahren als Foxy Browns für ihre Premiere ein besonderes Outfit zugelegt. „Wir alle sind schon in verschiedenen Fußgruppen in früheren Zügen mitgegangen. In diesem Jahr wollten wir aber alle einmal einen Bagagewagen dabei haben“, schmunzelte Martina Bertram. Für die Musik, die die Narren im Zug und am Wegesrand zum Mitsingen und in Stimmung brachten, sorgten mehrere Musikkapellen – darunter auch die Argenthaler Schalmeien aus dem 500 Kilometer entfernten Isny, die sich nach 22 Jahren als Musiker im Veilchendienstagszug dort zu Hause fühlen.

Die heimischen Gruppen begeisterten mit ausgefallenen Kostümen und witzigen Themen – so etwa die Traumschwiegersöhne, die auf den Dieselskandal anspielten. Aufsehen erregten auch die Sternschnuppen der Struwwelliesen und die selbst gemachten Herzköniginnen-Kostüme der Höppekrade

Weitere Bilder gibt es im Internet auf www.kamelle.de.

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