Le Château mystérieux

Atemberaubendes Varieté-Spektakel im Pantheon

Violine und Equilibristik: Daniela und Michal im Varietéspektakel.

Violine und Equilibristik: Daniela und Michal im Varietéspektakel.

Bonn. Stephan Masurs Varieté-Spektakel „Le Château mystérieux“ hatte Premiere im Pantheon. Ein sympathisches Füllhorn mit einigen Glanzlichtern.

Blitze zucken, Donner grollt. Ein spießig gewandetes Pärchen irrt mit seinen Koffern durch die Dunkelheit und klopft an die Pforte eines düsteren Spukschlosses. Sie tragen die Vornamen Brad und Janet, und spätestens jetzt lässt die „Rocky Horror Show“ deutlich vernehmbar grüßen. Warum jene popkulturelle Referenz als Auftakt für Stephan Masurs 14. Varietéspektakel herhalten muss und keine eigenständige große Linie gezogen wurde, ist natürlich bloß reine Nebensächlichkeit.

Der Untertitel des Varieté-Reigens, „Le Château mystérieux“, gibt Hinweise auf die Alibi-Rahmenhandlung. Gastgeber Stephan Masur nimmt auf der Pantheon-Bühne zu Cembalo-Gezwitscher fächerwedelnd im roten Barocksessel Platz, er wird später Seifenblasen durch die Luft pusten und empfängt eine illustre Schar eigenwilliger Gestalten, die über erstaunliche Fähigkeiten verfügen. An den „Rocky Horror Show“-Prolog erinnern später nur noch der niederländische Sänger Dave van der Wal als Frank'n'Furter-Verschnitt („Break The Silence“ von Depeche Mode interpretiert er hervorragend, „It Had Better Be Tonight“ von Henry Mancini missglückt ihm leider krachend) und der Finalsong „Time Warp“.

Malte Strunk, dessen Turmfrisur an die ondulierte Extravaganz einer Margie Simpson erinnert, zeigt Diabolo-Artistik und eine Jonglage mit sieben Bällen, was in jener Zunft eine hohe Hausnummer bedeutet. Der Niederländer Christiaan Vandeburgt hat sich für seine Jonglage, die auf der Cigar-Box-Technik basiert, etwas Hübsches einfallen lassen: Die Kästchen sind als gebundene Bücher gestaltet, und er präsentiert sich als schrulliger Bibliothekar mit hohem Nerd-Faktor. Lisa Chudalla beeindruckt mit ihrer Vorstellung im Single Wheel und insbesondere mit ihrer Nummer an der Vertikalkette – das sieht man nur höchst selten.

Charme und hohe Körperbeherrschung demonstrieren Daniela und Michal aus Tschechien, die Violinenspiel mit Handstand-Artistik und Stuhl-Equilibristik sinnlich verknüpfen. Die spektakulärsten Auftritte hat jedoch der Japaner Ryunosuke Yamazumi. An der Vertikalstange führt er vor, was er unter seinem „Ninja-Style“ versteht, und seine Jonglage-Kombinationen verdienen eine Bezeichnung, mit der im Journalismus vorsichtig umgegangen werden muss: atemberaubend.

Insgesamt ein sympathisches Füllhorn mit einigen Glanzlichtern, das durchaus für die ganze Familie empfohlen werden darf. Vielleicht mit einem einzigen Hinweis: Als Lisa Chudalla als betörender Gothic-Vamp reihenweise Kurzschwerter schluckt und sich Zimmermannsnägel in die Nasenlöcher hämmert, dann sind im Publikum einige Eltern zu beobachten, die ihren Jüngsten umgehend und eindringlich die Bitte ans Herz legen, dies zu Hause nicht nachzumachen. Recht haben sie.

Le Château mystérieux: Stephan Masurs Varietéspektakel; weitere Shows am 17.-19., 21./22., 24.-26., 28./29. und 31. August im Pantheon, Beginn jeweils 20 Uhr. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen, unter www.bonnticket.de oder unter 02 28/50 20 10.