Proklamation in Linz

Linz hat seine erste Regentin

Männer in der zweiten Reihe: Yvonne I. mit den Assistenten Oliver Brockhaus (l.) und Thilo Henze.

Männer in der zweiten Reihe: Yvonne I. mit den Assistenten Oliver Brockhaus (l.) und Thilo Henze.

LINZ. Es ist eine Premiere in der Geschichte des Strünzer Karnevals: Mit Yvonne I. übernimmt erstmals eine Frau die närrische Macht in Linz am Rhein. Die erste Prinzessin der Großen Linzer KG hat mehr als 80 Jahre nach deren Gründung die Insignien der Jecken-Herrschaft überreicht bekommen.

„Dass wir das noch mal erleben dürfen!“, freute sich Vizepräsidentin Heike Paffhausen. „Jetzt habt ihr sie, eure erste Prinzessin in der Geschichte der Großen Linzer KG!“ Es war ein denkwürdiger Abend: Mehr als 80 Jahre nach Gründung der Karnevalsgesellschaft bestieg Yvonne I. „vom Renneberger Tal“ als erste Linzer Regentin den Narrenthron. Zunächst natürlich mussten ihr Vorgänger, Prinz Paul III. „vun de Fanfare“ (Kremer) und seine Adjutanten, Michael Degen und Johannes Euskirchen, „abdanken“. Yvonne I. fackelte dann nicht lange und entlockte der Narrenschar im Saal des Hotels Weinstock drei donnernde Alaafs: „op de KG, op et Jubiläumscorps Blau-Wiess un op de Heike“. Letztgenannte vertritt KG-Präsidentin Yvonne Adams-van Beek während ihrer Regentschaft als Tollität.

Die sechs Linzer Corps waren mit den Möhnen, dem Elferrat und dem Vorstand der KG auf die Bühne gezogen, bevor die Fanfaren des TV Linz den scheidenden Prinzen zur Abdankung geleiteten. Er dankte Prinzessin Martina und den Ehrendamen Susanne Degen und Conny Euskirchen für ihren Einsatz. Auf Michael Degens Frage, ob er nicht froh sei, dass seine Amtszeit nun vorüber sei, antwortete Paul: Froh sei der falsche Ausdruck, aber der liebe Gott habe schließlich den Aschermittwoch erfunden.

Seit 1935 gab es immer nur Prinzen

Interims-Präsidentin Paffhausen erinnerte daran, dass die Strünzer Jecken seit 1935 mit einer Unterbrechung stets von Prinzen regiert wurden. „Die jeweilige Prinzessin war, wenn überhaupt, nur schmückendes Beiwerk.“ Dann vor drei Jahren die Sensation: Erstmals waren mit Yvonne Adams-van Beek und Heike Paffhausen zwei Frauen an die Spitze des Vorstands gewählt worden – und nun auch noch eine weibliche Tollität.

„Ihr kennt se all, de Yvonne: schüchtern un brav, kontaktscheu un zurückhaltend, sensibel un redefaul“, verdrehte Paffhausen die Wesenszüge der Prinzessin ins Gegenteil. Und schon zog die erste weibliche Tollität der Strünzer, standesgemäß angeführt von den Fanfaren, mit ihren Assistenten Oliver Brockhaus und Thilo Henze in den Saal. Rote Rosen werfend und Bützjer verteilend, genoss Yvonne I. das Bad in der jecken Menge. Ins Stocken geriet der Einzug nur, als sie im Saal auf ihren Prinzgemahl Boris Adams stieß. Auf der Bühne musste sie noch ein wenig Geduld aufbringen. „Time to say goodbye, vorbei die Zick für uns drei, ze rejiere den Linzer Narrenstaat“, reimte Ex-Prinz Paul Kremer, bevor seine Schwester, die Sopranistin Christa Steege, den Song anstimmte.

„Rut, Blau, Jeel, Jrön un Wiess, alle Farwe sin dabei. Mir stonn zesamme, mir sin ne bunte Verein“, verkündete Yvonne I. ihr Sessionsmotto, nachdem Weinkönigin Maike I. ihr die Pritsch als Zeichen der närrischen Macht übergeben hatte. Bevor auf der Bühne dann die Ordensflut einsetzte, gestand die frischgebackene Prinzessin: „Singen kann ich nicht, besser tanzen. Äwer de Kääls, d'r Olli un d'r Thilo, wollen unbedingt singen!“ Und schon stimmten die drei raderdoll ihr Sessionslied an mit dem Refrain: „Ho, ho, ho, mer fiere Karneval, mir Strünzer jewe Jaas!“

Das wird auch notwendig sein, ist doch schon Mitte Februar Aschermittwoch.