Prinz Dirk I.

Charmant, spontan und ziemlich jeck

BAD GODESBERG. Prinz Dirk I. ist gebürtiger Stuttgarter, liebt Bügeln und hat seinen Ehemann immer dabei - als Adjutanten.

Er ist gebürtiger Stuttgarter, lebt in Beuel und war in den vergangenen 20 Jahren (nur) im Windhagener Karneval aktiv: Auf den ersten Blick scheint es nicht so zu sein, als wäre Dirk Hausen der perfekte Bad Godesberger Karnevalsprinz. Aber eben nur auf den ersten.

Denn wer auch nur kurz mit dem 48-Jährigen über seine närrische Regentschaft spricht, merkt sofort: Prinz Dirk I. herrscht mit Leib und Seele über sein jeckes Volk. Deswegen freut er sich auch schon lange auf den Karnevalszug, der am Sonntag durch Godesberg zieht.

Dirk I. ist witzig, charmant und spontan. Und nicht nur dem Namen nach der Erste. Er ist auch der erste homosexuelle Prinz, den es in Bonn gibt.

Seit knapp zwei Jahren ist er mit Friedhelm Bär liiert, seit einem halben Jahr sind die beiden verheiratet. "Ich habe im Godesberger Karneval nur gute Erfahrungen gemacht", so Hausen. Die Vereine und der Festausschuss haben "von Anfang an hinter meiner Lebensform gestanden".

Theoretisch wäre es anders auch gar nicht gegangen. Denn Prinz sein, das wollte er nur unter zwei Bedingungen: "Mein Mann muss hinter mir stehen, und ich habe mir gewünscht, dass er mein Adjutant wird", sagt Hausen und strahlt.

Dazu hat er auch allen Grund. Denn obwohl sein 45-jähriger Ehemann kein Karnevalist ist, haben sich beide Wünsche erfüllt. "Wir genießen die Zeit. Auch wenn an erster Stelle natürlich die Godesia steht." Während der Karnevalszeit muss der Ehemann also (ein wenig) zurückstecken. Doch es könnte sein, dass das auch nach den närrischen Tagen so bleibt.

Denn Hausen wird Großvater. Mitte November, kurz vor dem Antrittsbesuch bei Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann ("ich war so nervös"), hat er mit seiner 26-jährigen Tochter aus erster Ehe gesprochen. "Ich habe gesagt, dass ich mir wünsche, Opa zu werden." Gut zwei Wochen später, vor der Proklamation, ging der Wunsch schon in Erfüllung. Die Tochter war aus München gekommen und überbrachte die frohe Botschaft. Sein Enkelkind in spe hat Hausen stets im Blick. Auf dem Ultraschallbild, das an der Sitzecke im Wohnzimmer steht. Und auf das er hin und wieder einen verstohlenen, stolzen Blick wirft.

Dass er Opa wird, hat er seinen Untertanen übrigens bei der Proklamation verkündet. "Das war der Renner des Abends", sagt Hausen, der sich im Godesberger Karneval pudelwohl fühlt. Dass er seine närrischen Erfahrungen (Hausen kam mit sechs Jahren ins Rheinland, wuchs in Rheinbrohl auf und ist Mitglied der KG Wenter Klaafbröder) bisher nur "außerhalb" sammeln konnte, sieht er als Vorteil an.

"Ich gehe ganz unbefangen in die Session. Ich kenne keine Kriegsschauplätze, Vereinsmeierei ist mir auch fremd." Außerdem sei er in Godesberg ja trotzdem bekannt. Denn der gelernte Polizeibeamte, der dann zum Verwaltungsbeamten umsattelte, arbeitet seit 1992 beim Bundesamt für Naturschutz - erst in Lannesdorf, dann an der Koblenzer Straße. "Man geht einkaufen, man arbeitet da, man lernt die Leute kennen", sagt Hausen. "Es ist so, als würde man da wohnen."

Doch es ist nicht nur der Karneval, für den das Herz des 48-Jährigen schlägt. Eins seiner Hobbys mutet ein wenig merkwürdig an. Wo andere gerne Radfahren, steht Hausen gerne am Bügelbrett. "Ich merke in der anstrengenden Zeit, dass mich bügeln entspannt", erzählt Hausen. Platz zwei der Liste der liebsten Freizeitaktivitäten belegt das Waschen. "Ich muss doch Bügelwäsche schaffen, also muss ich waschen."

Das Kochen allerdings überlässt er seinem Ehemann. Einkaufen im Supermarkt ist (anders als im Möbelhaus) auch nicht sein Ding. "Da fühle ich mich heillos überfordert." Gut, dass Bär das übernimmt. Und häufig Nudeln auf den Tisch bringt. "Italienisch esse ich am liebsten", sagt Hausen. Ansonsten rangieren gemeinsame Ausflüge mit dem Cabrio auf der Liste ganz oben, auch Reisen unternehmen beide gerne.

Und wenn auf einer Party die Musik der 80er zu hören ist, ist Hausen nicht mehr zu halten. Es ist ihm zwar ein wenig peinlich, "aber Abba, das war die Gruppe meiner Zeit. Dann kann ich nicht stillstehen, dann muss ich das Föttche bewegen."