Godesberger Zoch

Eine Freibeuterin führt den Zug an

Bad Godesberg. Yvonne Bekker bringt am Karnevalssonntag Kamelle unters Volk. 29 Gruppen, 31 Prunk- und 24 Bagagewagen, zwei Feldküchen, drei Salutkanonen, 20 Pferde, eine Kutsche, 13 Musikkapellen plus weitere Spielmannszüge.

Wenn am Sonntag der Bad Godesberger Karnevalszug durch die Innenstadt zieht, wird es wohl kaum einen Narren geben, der glücklicher ist als Yvonne Bekker. Denn für die Geschäftsführerin der Heiderhofer Freibeuter geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Sie ist beim Zug nicht nur auf einem Wagen dabei. Sie führt den närrischen Lindwurm an – auf der Lokomotive des Festausschusses, „auf der normalerweise der Zugleiter fährt“, sagt Bekker.

Den wird man dieses Jahr vergeblich auf der Lokomotive suchen. Gemeinsam mit Bekker bringen ihre Tochter und ihr Mann, allesamt als Indianer verkleidet, von der Zugspitze aus die Kamelle unters Volk. „Wir schmeißen nicht zu knapp“, verspricht Bekker. Dank diverser Sponsoren bringt die Familie es auf mehrere Kisten Wurfmaterial. „Wie viele Kilogramm es sind, kann ich nicht sagen. Der Wert liegt aber bestimmt bei 1200 Euro“, schätzt Bekker. Für die Wunscherfüllung ist übrigens Bekkers Mann verantwortlich. Der hat der Vollblutkarnevalistin zum 40. Geburtstag das einmalige Erlebnis geschenkt.

Die Gegenwehr der Bürgermeisterin ist zwecklos

Doch bevor es ernst wird, versuchen die Karnevalisten beim Rathaussturm ab 12 Uhr erst einmal die Herrschaft in der Badestadt zu übernehmen, um bis Aschermittwoch ihr närrisches Volk ordnungsgemäß zu regieren. Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke wird zwar auch in diesem Jahr versuchen, sich gegen den jecken Sturm zu wehren. Wirft man allerdings einen Blick zurück, zeigt sich, dass ihre Chancen auch in diesem Jahr schlecht stehen. Zumindest ist in den Bad Godesberger Chroniken kein einziger Fall verzeichnet, in dem die Stadt das Geplänkel für sich entschieden hätte. Bleibt zu vermuten, dass Festausschusspräsident Armin Weins gemeinsam mit Prinz Thomas I. und Godesia Conny die Amtsstube erobern wird – selbstredend mit Unterstützung ihrer närrischen Untertanen.

Lange kann das Prinzenpaar allerdings nicht im frisch eroberten Rathaus verweilen. Denn schon um 13.11 Uhr beginnt ihr großer Karnevalszug durch die Innenstadt. Los geht es an der Kurfürstenallee, von dort aus über Am Kurpark, Alte Bahnhofstraße, Moltkestraße, Koblenzer Straße, Theaterplatz und Burgstraße bis zur Friesdorfer Straße. Mit dabei sind laut Zugleiter Thomas Wedde 29 Gruppen, 31 Prunk- und 24 Bagagewagen, zwei Feldküchen, drei Salutkanonen, 20 Pferde, eine Kutsche, 13 Musikkapellen plus weitere Spielmannszüge mit zusammengenommen rund 350 Musikern und circa 400 Wagenengel.

Zwei staatse Schimmel ziehen den Prinzenwagen

Insgesamt sorgen rund 1.200 Teilnehmer für einen Kamelleregen. „Seit einem guten Jahrzehnt ist zu beobachten, dass die Veranstaltung insbesondere von Familien mit Kindern sowie Jugendlichen sehr gut angenommen wird“, beschreibt Wedde. „Als Brauchtumsveranstaltung, an der eine Reihe von Traditionsgesellschaften teilnehmen, stehen Spaß und Vermittlung des traditionellen Straßenkarnevals im Vordergrund.“

Prinz und Godesia werden ihre jecken Untertanen übrigens von ihrem Prinzenwagen aus mit einem Kamelleregen beglücken. Am Samstagabend überreichte Stein-Lücke den großen, weißen, mit Pferden bestückten Wagen an die Tollitäten, und das erstmals am Rheinufer an der Bastei. Dabei gab es noch etwas zu feiern: Bezirksbürgermeisterin Stein-Lücke und Festausschusspräsident Weins hatten eine Überraschung für die Anwesenden parat. Mit einer Schenkungsurkunde übertrug die Stadt den an den Festausschuss. Das amtierende Kinderprinzenpaar, Kinderprinz Nico I. und seine Kindergodesia Ana, grüßten in Reimform die karnevalistischen Abordnungen. Prinz Thomas I. und seine Godesia Conny waren begeistert vom Ausblick vom hohen Prinzenwagen. Und zwar so begeistert, dass die Vorfreude auf den Karnevalszug von Minute zu Minute steigt.