Umzüge in Bornheim

60 Gruppen ziehen durch Bornheim

Bornheim. Die Narren in Bornheim-Roisdorf und -Kardorf genießen ihre Karnevalszöch em Sunnesching. Sogar die ein oder andere Sonnenbrille musste ausgepackt werden.

Bornheim-Roisdorf

Deutschland hat die GroKo, Roisdorf hat Jamaika. Allerdings nicht als politische Konstellation, sondern als bunte Truppe mit Rastalocken und einem Mottowagen, der jeder Debatte um die Legalisierung von Cannabis alle Ehre machen würde. Doch nicht nur die als Jamaikaner verkleideten Roisdorfer Schützen waren beim Roisdorfer Karnevalszug ein Beleg für das große kreative Potenzial, das in dem Bornheimer Ort steckt.

Rund 30 Gruppen mit von den Verantwortlichen geschätzten 600 bis 800 Jecken zogen an Weiberfastnacht durch die Roisdorfer Straßen. Angeführt durch den Takt des Fanfarencorps Rot-Weiß Flerzheim machten etwa die Jungs des Junggesellenvereins „Echte Fründe“ mit ihrem Wagen aus dem Zug kurzerhand eine Aprés-Ski-Party. Die Männer und Frauen des Fanclubs FC-Fründe Mai '98 feierten ihr 20-jähriges Bestehen, in dem sie selbstredend Kamelle sowie stilecht kleine Schaumstofffußbälle warfen.

Als Bienen, Grashüpfer, Schmetterlinge und Marienkäfer verkleidet bewiesen die Heimatfreunde Roisdorf ihr Herz für die Insektenwelt. Derweil sollte sich die Stadtverwaltung einmal in Ruhe überlegen, ob sie sämtliche Mitglieder der Roisdorfer Quellentiger nicht als Tourismusförderer einstellt. Unter dem Motto „Ob zu Foos, im Flieger oder om Pääd – (Bad) Roisdorf ist immer eine Reise wert“ zogen sie durch die Straßen. Ihnen folgten unter anderem Außerirdische und Clowns, eine fröhliche Schar altägyptischer Herrscherinnen, lustige Hexen, knallbunte Papageien sowie Hochseekapitäne und Leichtmatrosen.

Durch den Aufmarsch der 1. Hunnenhorde Bonn – auch Herren der Pferde genannt – kündigte sich der Höhepunkt des Zuges an. Unter den Klängen der Musikfreunde Roisdorf fuhr Prinzessin Doris I. auf ihrem Prunkwagen durch den Ort. Mit einem breiten Lächeln über beide Wangen brachte sie ordentlich Kamelle unter ihr Narrenvolk.

Bornheim-Kardorf

Andreas Langen vom Stammtisch „Wat wees isch!?!“ freute sich dieses Jahr ganz besonders auf den Karnevalszug, der an Weiberfastnacht durch Kardorf zog. Die 30 Gruppen stellten sich erstmalig direkt vor seinem Grundstück auf, nämlich entlang der Straße „Katzentränke“. Während sich die festlich geschmückten Karnevalswagen und Fußgruppen bereits vor 14 Uhr sammelten, feierte er noch mit anderen Jecken auf seinem Hof.

Das diesjährige Motto der Stammtischgruppe, die sich mit der reinen Frauengruppe „Batschköpp“ zusammen getan hatte, lautete: „Durch den Blumengarten von Montana ziehen wir als Indiana“. „Der Spruch ist eine Anspielung auf das Neubaugebiet, das 'Im Blumengarten' heißt und Montana heißt die Baugesellschaft“, erklärte Langen. Natürlich waren die Karnevalisten als Indianer und Squaws mit mit schwarzen Perrücken verkleidet. Im Gesicht durfte die Kriegsbemalung nicht fehlen.

Rockige Musik und harte Gitarrenriffs dröhnten vom Wagen der Gruppe „Thekenturnverein“. „Wir gehen dieses mal als Rockstars,“ sagte Johanna Kuhl, eine von den insgesamt 19 Teilnehmerinnen. Geschmückt war der Wagen mit echten Vinylplatten. Die Frauen trugen, wie sich das für Rockstars gehört, aufblasbaren E-Gitarren über den Schultern. „Die Playlist ist gut gemischt. Von 'Kiss' bis hin zu kölschen Karnevalsliedern ist alles dabei“, ergänzte Kuhl.

Die Sonne blieb während des Umzuges beständig und der eine oder andere Karnevalist im Zug und am Straßenrand musste die Sonnenbrille aufsetzen. Eine Mädchenclique sah sich den Zug in Kardorf sogar zum ersten Mal an. „Wir sind hier, um Freunde und Bekannte aus der Schule zu treffen“, sagte eine von ihnen. Im Anschluss ging es für die Vierer-Truppe zur Karnevalsparty auf dem Gelände des Stadtbetriebs Bornheim. Laut Robert Faßbender, Abschnittsleiter der Malteser, „ist es ruhig geblieben.“ Bis zum späten Nachmittag gab es vereinzelt Jugendliche, die wegen ihres Alkoholkonsums versorgt werden mussten.