Bürgerzentrum Ahrweiler

Bäckersitzung der KG Backes Jonge

Einzug des Beuler Stadtsoldatencorps zum Sitzung im Ahrweiler Bürgerzentrum.

Einzug des Beuler Stadtsoldatencorps zum Sitzung im Ahrweiler Bürgerzentrum.

AHRWEILER. Wenn sich das Ahrweiler Bürgerzentrum in einen jecken Hexenkessel verwandelt, kann das nur eins heißen: die KG Backes Jonge feiert ihre Bäckersitzung. Die ist stets Garant für Spitzenkarneval.

Nur das Beste ist gut genug für Spitzenkarneval eines ehemaligen Bäcker-Kegelclubs an der Ahr. Was heute bei vielen Veranstaltern normal ist, wird bereits seit Jahrzehnten von der Karnevalsgesellschaft (KG) Backes Jonge und der Vorgängergesellschaft KG Bäcker Hellwach präsentiert. Die Bäckersitzung, die lange Jahre in der Bengener Mehrzweckhalle stattfand, ehe sie ins Ahrweiler Bürgerzentrum umzog, ist ein Garant für beste jecke Unterhaltung. Dabei werden nicht nur die karnevalistischen Größen aus der Domstadt präsentiert, die Macher der KG schauen sich im großen Umkreis auf den Vorstellabenden um und buchen erst dann.

Zehn starke Auftritte gab es am Sonntag zu sehen, das proppenvolle Ahrweiler Bürgerzentrum brodelte von Beginn an wie ein Hexenkessel. Garden, Musiker und Redner gaben sich die Klinke, besser gesagt das Mikrofon in die Hand, Sitzungspräsident Volker Scherhag hatte alle Hände voll zu tun, eine Rakete nach der anderen zünden zu lassen. Oftmals schien die Bühne zu klein zu sein.

Das war schon beim Auftakt so, als das stolze blau-rote Corps der Beueler Stadtsoldaten mit knapp 60 Uniformierten aufmarschierte, um Gardisten und Mariechen tanzen zu lassen. „Die Musik dazu macht unser Zug selbst, damit sind wir im Rheinland einzigartig“, so der Kommandant. Eng wurde es auch, als mit den Rheinveilchen die akrobatische Tanzgruppe der KG Große Braunsfelder aus Köln die Bühne enterte. Die rund 40 Tänzerinnen und Tänzer lieferten eine zirkusreife Nummer.

40 Tänzer, 136 Kostüme

Spitzensport im Karneval, bei dem die Mädchen bis unter die Hallendecke flogen. Ganz anders dann die Narrenzunft Gelb-Rot aus Koblenz. Ihr Auftritt hatte Varieté-Charakter. Das Thema: „James Bond in Russland.“ Dabei begeisterten die rund 40 Tänzerinnen und Tänzer nicht nur mit der Choreographie, sondern auch mit den insgesamt 136 einfallsreichen Kostümen, allesamt in Eigenarbeit erstellt.

Was unterscheidet die Bäckersitzung von ihren Kölner Mitbewerbern? In Ahrweiler hört man den Rednern noch zu, es ist nicht nur Party. „Ne Knallkopp“ Dieter Röder bewies dabei ganz trockenen Humor. Mit Kindergartentasche um den Hals haute er einen Kalauer nach dem anderen raus. Kurz, knackig, aus dem Leben. Besonders aus dem Kneipenleben und auf Kosten seiner Frau: „Die hat sich ein Schalke-Trikot gekauft und wird seitdem bespuckt und beleidigt. Wie wird das erst, wenn sie damit mal das Haus verlässt?“

Gesang und Vortrag vereinte Martin Schopps. „Kölns Bester“, so der Sitzungspräsident, der den Karnevalisten so beschrieb: „Nur die Rheinländer kommen mit der internationalen Idiotie der Menschen klar.“ Welche Menschen explizit gemeint waren, war klar: Trump, Erdogan und Jong-un. Die drei werden derzeit durch alle jecken Säle getrieben. Schopps hatte jede Menge Themen parat: den Kölner Dauerstau, die Kommunikation der heutigen Jugend oder aber politisch unkorrekte Lieder.

"Botzedresser" begeistern mit Potpourris

Es heißt nicht mehr „schwarzer Zigeuner“, sondern „bei Dunkelheit schwer zu erkennender Rotationseuropäer“. Und dann waren da noch Willi & Ernst, zwei Koblenzer, die längst im großen Karnevalsgeschäft in Köln angekommen sind. Ihr Auftritt war Slapstick pur. Sie hatten alles im Griff, nahmen verdutzten Gästen die Telefone ab und übernahmen das Dirigat bei der Saalkapelle „Rhein-Ahr-Spatzen.“ Lernen konnte man bei genauem Zuhören auch etwas, nämlich perfektes Rheinisch: „Isch frojen – du frääschs – er, sie, es fröösch.“ Oder so ähnlich.

Spannten sich bei den Vorträgen die Lachmuskeln, strapazierten die Musiker Stimmbänder, Arme und Beine. Die „Botzedresser“, vorgestellt als „Hausband der Bäckersitzung“, begeisterten mit ihren Potpourris, „Et fussisch Julche“ (Marita Köllner) landete auf einem Tisch statt auf der Bühne, erinnerte an alte Zeiten und trennte sich sogar von ihrer roten Perücke. Am Ende waren es dann die Räuber, die mit „Trömmelche“ oder „Kölsche Junge bützen joot“ die Gäste von den Sitzen rissen. Damit nicht genug. Die Höhner setzten noch einen drauf, auch wenn ihr Hit „Jetzt geht's los“ schon fünf Stunden früher wahr geworden war.