Veilchendienstagszug in Sinzig

Mit Schlachtschiff Sentiacum und Speedy Gonzales

Das Sinziger Dreigestirn mit Prinz Andreas, Bauer Dirk und Jungfrau Daniela schmeißt zentnerweise Kamelle beim Veilchendienstagszug.

Das Sinziger Dreigestirn mit Prinz Andreas, Bauer Dirk und Jungfrau Daniela schmeißt zentnerweise Kamelle beim Veilchendienstagszug.

SINZIG. Der größte und längste Zug in der Rhein-Ahr-Region bot am Veilchendienstag alles auf, was rheinischen Frohsinn prägt. Mit dabei: Die schnellste Maus von Mexiko und das närrische Schlachtschiff Sentiacum.

„Mit Alaaf, vill Musik, en jolden Herz, feiern mir drei bes in de März.“ Prinz Andreas, Bauer Dirk und Jungfrau Daniela hielten Wort: Das Sinziger Dreigestirn feierte seit seiner Proklamation das rheinische Hochfest nach allen Regeln der Kunst – und mit ihm ganz Sinzig.

Zumindest beim Veilchendienstagszug, der mit 50 Wagen, Korps, Funken, Spielmannszügen und Hunderten von Narren am Straßenrand einen ganz besonderen Schlusspunkt hinter die Karnevalssession im Ahrtal setzte. Der größte und längste Zug in der Region bot alles auf, was rheinischen Frohsinn prägt: Spaß, Ideenreichtum und viel gute Laune.

Die Närrischen Buben, quasi als Gastgeber, bildeten die Spitze des Klamauk- und Freude-Zuges, der viele Gäste aus den Nachbarschaftsgesellschaften in seinen Reihen hatte. Die Prinzengarde Kripp etwa, die Erbsensuppe aus der Gulaschkanone servierte, oder die Stadtsoldaten aus Bad Breisig, die Schützenhilfe leisteten.

Die Tanzgruppe „Batida de Samba“ sorgte im Eiltempo für tanzende Menschen am Straßenrand, die „Fitten Früchtchen“ eines Supermarktes spendierten indes Vitamine. „Jecke Wissenschaftler“, denen man allerdings nicht unbedingt einen Nobelpreis zutrauen würde, zeigten auf, dass Sinzig nicht nur in der Kommunalpolitik eine etwas außergewöhnliche Stadt ist. Prima auch die Gruppe „Abikropolis“ des Rheingymnasiums, die Sinzig an das Athener Wahrzeichen transferierten und ganz bescheiden als Götter aufmarschierten. Irdischer ging es da bei den Blue Velvets zu. Die Garde- und Showtanzgruppe wird auch Zeus und seinen Götterkollegen gefallen haben.

Dass sich der SC Bad Bodendorf gewaltig auf einen Kunstrasenplatz freut, war schnell festzustellen. „Ohse Draum wierd wohr“, hieß es auf dem Prunkwagen der Bad Bodendorfer Fußballer. Immer eine feste Größe beim Veilchendienstagszug: die KG Rievkoche. Die Köche aus Bad Bodendorf hatten ihre rollende Küche mitgebracht. Statt Rievkooche gab es jedoch Kamelle. Und das zentnerweise.

„Mein Land ist die Welt“ lautete das Motto des Wagens des Hauses der Jugend. Die Besatzung: junge Karnevalisten aus allen Herren Länder. Eher aus dem nahen Umland waren die Westumer angereist, die in ihr Murreland einluden und dabei Möhren über die Narren regnen ließen. Kesse Bienen und winkende Schlümpfe, zu denen sich auch einige Fliegenpilze gesellten, ebneten den Vertretern der FWG den Weg.

Ohne von den vor ihnen gehenden Bienen gestochen worden zu sein, warben die Kommunalpolitiker für „Fair in Sinzig“. Mit drei italienischen Dreirädern bildeten die Freien Wähler einen besonderen Blickfang. „Sonnige Aussichten“ versprach die Gruppe. Eher schöne Aussichten gab es da bei den Magic Majorettes, die ihre schlanken Beine ebenso gekonnt wirbelten wie die Stöcke in der Hand.

Die schnellste Maus von Mexiko macht Sinzigs Jecken froh: Mit großen Hüten und noch größeren Ohren repräsentierte diese Gruppe allerdings eine bislang noch nicht gekannte Spezies. Das Kinderprinzenpaar Kilian I. und Susanna I. rollte im großen Prunkwagen an der Menge vorbei, gefolgt von den Stadtmaure-Möhnen, dem Großen Rat der KG und dem riesigen Schlachtschiff der Sinziger Karnevalisten, der Sentiacum.

Die Stadtsoldaten mit Bagage- und Leiterwagen sowie die stattliche Abordnung der KG-Reservisten wiesen dem Dreigestirn dann den Weg durch das närrische Treiben. Prinz, Bauer und Jungfrau schaufelten fleißig Kamelle unter das begeisterte Volk, das mit vollen Taschen den Heimweg antreten konnte.