Godesia Conny Hagedorn

Regentschaft begann beim Bierchen

Mittlerweile kommt Conny Hagedorn nur noch als Gast in die Zwitscherstube, früher stand sie dort auch oft hinter der Theke. Vater Ralf ist Mitinhaber des urigen Bier- und Weinkellers.

Mittlerweile kommt Conny Hagedorn nur noch als Gast in die Zwitscherstube, früher stand sie dort auch oft hinter der Theke. Vater Ralf ist Mitinhaber des urigen Bier- und Weinkellers.

Bad Godesberg. Sucht man nach einem Leitmotiv im Leben der Godesia, so kristallisiert sich schnell heraus: Conny Hagedorn ist im besten Sinne des Wortes eine treue Seele. Egal ob sich es um den Karneval als solchen, die Godesberger Stadtsoldaten im Speziellen, die Heimat, ihren Arbeitgeber oder die Liebe handelt – die 26-Jährige setzt auf Beständigkeit.

„Ich hab' als Kind schon immer bei den Godesien am Rockzipfel gehangen“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Einmal so ein Kleid zu tragen, das war der große Wunsch der kleinen Conny. Zum Gespräch hat Ihre Durchlaucht in die Hofburg eingeladen. Da ihr Vater Ralf Hagedorn praktischerweise Mitinhaber von Zwitscherstube und Hotel Rheinland ist, hat die Godesia diesmal sogar Schlüsselgewalt.

Mit acht Jahren trat sie als Tanzmariechen in die Godesberger Stadtsoldaten ein, mit 18 wechselte sie in die Mädchenreihe des Vereins. „Nächste Session mische ich da wieder mit“, kündigt sie an. Haben sie nie die großen Bühnen gereizt? „Einmal von einem Tanzoffizier getragen zu werden, war schon eine Option, aber zum einen wollte ich nicht weg aus Bad Godesberg, zum anderen bringe ich ja jetzt mit den Weibern Stimmung in die Säle.“ Das sei toller, sagt die junge Frau, die derzeit in Mehlem wohnt – nach Stationen im Villenviertel, Rüngsdorf und Heiderhof.

Den Stadtbezirk verlässt sie – außerhalb der heißen Tage – allmorgendlich mit Ziel Bonn Hauptbahnhof. In der Nähe sitzt das Unternehmen E-Bridge, das große Energiefirmen berät und für das sie als Teamassistentin arbeitet. „Da hab ich 2011 auch schon meine Ausbildung gemacht“, sagt Hagedorn stolz. Ein Traumjob also? „Definitiv, die PC-Arbeit lockt mich, gleichzeitig hab' ich Kontakt zu Kunden, ein Lagerjob wär' eher nichts“, meint die momentane Herrscherin über Bad Godesberg. Prinz Thomas I. (Heinzen) kennt sie seit 2008, als dessen Ex-Frau Nina Heinzen Godesia war. „Wir sind beide im Hofstaat gewesen, fanden uns sympathisch und sind seitdem Freunde“, erzählt die 26-Jährige.

Vor zwei Jahren sei beim Bierchen die Idee entstanden, gemeinsam das Prinzenpaar zu stellen. Die wichtigste Grundlage: Beide hätten sich vorstellen können, über drei Monate viel Zeit miteinander zu verbringen. Dabei kamen gleich zwei Sessionen in Betracht. „Dieses Jahr feiern die Burggrafen, bei denen der Prinz Geschäftsführer ist, 80-Jähriges, nächstes Jahr die Godesberger Stadtsoldaten, bei denen ich Geschäftsführerin bin, 125-Jähriges.“ Dass es 2016/17 wurde, begründet die Godesia mit der langen Sessionsdauer: „Wenn schon, dann auch richtig, schließlich investiert man ja auch finanziell einiges.“

Am Anfang hat sich Conny Hagedorn vorher genau überlegt, was sie auf welcher Bühne sagen will. „Aber dann bin ich vom fertigen Konzept abgerückt, weil es vielleicht nicht zur Stimmung im Saal passt“, sagt die Godesia. Überhaupt sei das etwas, was sie sich im Vorhinein leichter vorgestellt habe: einen Saal für sich zu gewinnen. Anders sah es jedoch beim Heimspiel aus, am Valentinstag bei der Mädchensitzung der Stadtsoldaten. „Der Einzug bei meinem Verein war überwältigend“, sagt sie und gesteht, die emotionale Seite unterschätzt zu haben.

Für die jecken Tage fühlt sie sich gut gerüstet. Schließlich hat sie die erste Erkältung schon hinter sich. Seitdem gibt es täglich frische Orangen. Auf Weiberfastnacht hat Godesia Conny seit ihrer Proklamation im vergangenen November hingefiebert. „Endlich hab' ich die freie Auswahl, was ich den Jecken erzählen kann, da kein Präsident und kein Prinz vor mir reden darf.“ Für Sonntag und ihren Karnevalszug durch die City wünscht sich die Karnevalistin vor allem trockenes Wetter. Nach 18 Jahren, in denen sie in der Fußgruppe unterwegs war, wird sie erstmals auf einem Wagen mitfahren. „Ich werde immer weiter Kamelle werfen“, verspricht sie.

Aschermittwoch ist für Conny Hagedorn dann mitnichten alles vorbei. „Ich werde dieses Jahr noch heiraten“, verrät sie. Das Kleid hat sie vorsorglich im Dezember gekauft, aber nun geht es an die Feinabstimmung in Sachen Planung. Hat ihr Verlobter sie gerne freigegeben für die Session? „Ja, er ist selbst Karnevalist und zweiter Vorsitzender bei den Stadtsoldaten“, sagt sie über Benjamin Dreesbach. Das Prinzendasein war für ihn allerdings keine Option. „Dafür ist er jetzt mein Ruhepol, der den Haushalt zusammenhält“, sagt Hagedorn und lächelt.