Jecke Wiever

Närrinnen in Bad Honnef geben Vollgas

Aegidienberg. Leere Straßen, volle Säle, aus denen närrische Gassenhauer klingen: In Selhof, Rhöndorf, Rommersdorf und Aegidienberg haben die närrischen Weiber am Donnerstag ihren Spaß.

Allerbeste Stimmung bei gefühlten 30 Grad Celsius und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit: Wenn die Große Selhofer KG zur Weibersitzung in den Saal Kaiser lädt, ist all das gewiss. Das Programm, für das bei Literatin Claudia Meyer die Fäden zusammenliefen, ließ keine Wünsche offen – und startete nach dem Einzug des Elferrates um eine bestens aufgelegte Neu-Präsidentin Melanie Hellenbrandt mit einem Knalleffekt.

Wer kann dazu schon Nein sagen? Nachdem De Botzedresse um Frontmann Ralf Schneider den Saal mit ihrer Musik zum Kochen gebracht hatten, reichten die Elferratsdamen jedem Musiker eine Rose. Bestechung etwa? Nein, auch so hätten die Musiker eine Zulage hingelegt, so begeistert sangen, klatschten und schunkelten die Mädels mit. Aber bei Rosen-Kavalier(inn)en, da ist es natürlich noch mal so schön.

Währenddessen hatten sich die Old Stars im knubbelig-vollen Gang schon auf ihren Auftritt vorbereitet, trafen immer mehr Mädels der Rasselbande ein und herrschte Vorfreude auch auf den Auftritt des Tanzcorps, das in dieser Session 44 Jahre besteht. Nicht fehlen darf der „Selefer Klaaf“ von Ulla Efferoth, Brigitte Meyer und Nadine Batzella.

Doch halt, ein bisschen Wehmut ist erlaubt: Für Efferoth und Meyer, die seit 2005 Lokalkolorit in die Bütt tragen, ist damit nun Schluss. Dass es damit an Eigengewächsen knapp werden könnte, ist ein Gerücht, wie Auftritte des Grosefa Balletts, den Herren der Schöpfung, bewiesen. Auch kein Gerücht: Selef ist eine ganz besondere Karnevalshochburg.

Vor einigen Jahren brachen die Damen der KG Löstige Geselle ihre Zelte im Hotel Seminaris ab und zogen mit ihrer Weibersitzung ins Weinhaus Steinbach. Ein Rezept, das aufging, wie auch die Weibersitzung Numero drei im kleineren, dafür aber heimeligeren Ambiente zeigte.

An Resonanz mangelte es nicht, und so konnte das Team um Präsidentin Marion Kock, die gekonnt durchs Programm führte, vermelden: ausverkauft. Während Hausfotograf Peter Monschau schon alle Hände voll zu tun hatte, Erinnerungsfotos für die jecken Weiber zu schießen, sorgten zunächst das eigene Kindertanzcorps sowie der Besuch der Entourage aus Aegidienberg mitsamt Prinz Mirko I., Musikzug und Prinzengarde für mächtig Leben auf der Bühne.

Als Import-Schlager aus dem Süden sorgte dann das Tanzcorps der Großen Selhofer KG für Hingucker. Auch davon, dass sie bei ihren Hebefiguren der Saaldecke gefährlich nahe kamen, ließen sich die Selhofer Tänzerinnen und Tänzer nicht beirren. „Die sehen wirklich nicht aus wie 44“, quittierte Präsidentin Kock die Akrobatik und zugleich den närrischen Geburtstag des Corps.

Mindestens zweimal hinschauen musste man bei den Eigengewächsen der „Löstigen“, die sich nach einer Schunkelpause im Eingang knubbelten. Schneemänner? Oder doch eher Frösche? Beides ist richtig, so wandelbar hatten die Frauen ihre Kostüme und ihren Tanz gestaltet.

Neu auf dem jecken Parkett indes sind die Kabarettistinnen der „Puderdose“, Claudia Schuma und Irene Weber. Beide sind den Löstigen von der Kleinkunstbühne im Zeughaus bekannt und waren erstmals bei einer Weibersitzung. Schon alte Hasen auf den Jeckenbühnen sind das Männerballett Heiße Socken sowie die Showtanzgruppe Dilledöppchen. Mit den Dollmännern ging die Weibersitzung am Abend zu Ende. Nicht allerdings, ohne den nächsten Termin festzuzurren. Und so heißt es auch 2020: Mit den „Löstigen“ ist gut feiern im Weinhaus Steinbach.

Einen Wandel vollzogen mit seiner Weiberfastnachtssitzung hat auch das Damenkomitee Ziepchen. Es ist seit nunmehr fünf Jahren immer ab dem Nachmittag in der Halle des Weingutes Broel zu Gast. Zivile Preise, beste Versorgung nach Hausmacher Art, und dazu jede Menge gute Musik: Auch bei der aktuellen Auflage bauten die elf aktiven Damen auf das bewährte Rezept der Vorjahre.

Und so trudelten im Laufe des späten Nachmittags und frühen Abends immer mehr gut gelaunte Gäste ein, die nach verschiedenen Stationen den Tag bei den jecken Rhöndorferinnen ausklingen lassen wollten. Für die Musik sorgte DJ Andy Jacob, der das Mitsing-Potenzial der Gäste zu nutzen wusste. Während drinnen bereits kräftig gewippt und getanzt wurde, kündigte sich mit dem Tambourcorps Frei Weg der erste Besuch an. Und auch die Truppe American Dream vum Rhing und die Urselefer statteten den Ziepches-Damen noch einen Besuch ab.

Was tragen die Schotten eigentlich so unter ihrem Rock? Die augenfällige Antwort gaben die Jungs von „Nit fööhle sons klatsch' et“ auf der Bühne im Aegidienberger Bürgerhaus per Handstand: schwarze Shorts und jede Menge Tattoos.

Mit akrobatischen Tanzeinlagen begeisterte die Truppe die Damen im Saal, die es da schon lange nicht mehr auf ihren Sitzen gehalten hatte: Die Kölschrocker von Cöllner hatten gleich zu Beginn den perfekten Eisbrecher gegeben und mit ihren Hits wie „Angelina“ und „Die Nr. 1 vom Rhein“ die rund 300 Mädels bei der Weibersitzung der KG Klääv-Botz von den Stühlen geholt.

Feuerspuckend stürmten die Jungs vom Männerballett Jonny Carachos die Bühne, derweil Silvia Schramm noch vor dem Eingang auf ihren Auftritt als Maite Kelly wartete: „In den Vorjahren habe ich zum Beispiel schon Helene Fischer parodiert“, sagt sie. „Nervös bin ich vor jedem Auftritt trotzdem.“

Erlebnisse aus der Schönheitsklinik, die Showtanzgruppe Las Locas aus Aegidienberg oder die Band Kölschraum: Literat Kay Scharfenstein wachte mit Programmplan und Uhr akribisch über den Ablauf des Programms. Und war hochzufrieden: „Es läuft alles wie am Schnürchen“, sagte er zufrieden. Am frühen Abend zogen dann die Aegidiatoren ein, die Männer des Elferrats, die die Vorhut gaben für den Einzug des Aegidienberger Prinzenpaares Bettina I. und Mirko I.: Startschuss für eine lange Party.