WM 2018 hinterlässt Spuren

Niederkasseler Weiber stürmen das Rathaus

Niederkassel. Die WM 2018 hinterlässt beim Niederkasseler Rathaussturm ihre Spuren. Die Weiber kicken mit den Federfuchsern um die Macht im Verwaltungstempel.

„Pünktlich wie bei der Bahn“, also mit vier Minuten Verspätung um 11.15 Uhr, kündigte Moderator Sebastian Koch den Einmarsch der Tollitäten nebst Gefolge in das Festzelt neben dem Rathaus an. Zuvor hatte Claudia Roland aus Niederkassel die Aufgabe, mit kölsche Liedern das Eis zu brechen, das wegen eines Ausfalls der Heizung tatsächlich an diesem kühlen Morgen im Zelt zu fühlen war.

Das gelang ihr vortrefflich, die Heizung funktionierte wieder, und die Jecken schunkelten und klatschten sich warm, bis dann die Dreigestirne aus Ranzel und Rheidt in das Festzelt einzogen, um die Macht und ihre Schlüsselgewalt über das Rathaus gegen die jecken Wiever aus dem Rathaus zu verteidigen. Da hieß es zunächst, auch das Mikrofon an die Obermöhn im Fußballoutfit Miriam Richarz zu übergeben, denn sie hatte sich einiges ausgedacht, damit die Verwaltungsspitze und die närrischen gekrönten Häupter ihre Kräfte messen konnten.

Alles drehte sich um das runde Leder. Der Ball rollte im Festzelt des Ortsrings Niederkassel. Auch wenn er keineswegs immer das gewünschte Ziel fand, gaben die närrischen Protagonisten alles. Man improvisierte, kämpfte und blieb dran, galt es doch, sich für das WM-Team von Jogi Löw (Helmut Esch) zu qualifizieren. Gesetzt war natürlich Manuel Neuer (Bürgermeister Stephan Vehreschild). Der Keeper dribbelte standesgemäß auf die Bühne – allerdings im Trikot von Bayer Leverkusen.

Für Richarz ein „no go“. „Hast du in das andere Trikot nicht mehr reingepasst?“, monierte sie im gleichen Atemzug auch den offenbar unzureichenden Trainingszustand des Keepers. „Ich passe in jedes Trikot und habe mir gedacht, Leverkusen braucht auch mal etwas mehr moralische Unterstützung“, konterte der angeschlagene Torwart. Wegen seines verletzungsbedingten Trainingsrückstandes haben sich die jecken Rathaus-Wiever entschieden, es ihren närrischen Kollegen möglichst schwer und dem Nationaltorwart entsprechend einfach zu machen. Ein kleines Tor wurde montiert, in das die Bälle versenkt werden sollten. Eine machbare Aufgabe für den Welttorwart, sollte man meinen.

Neuer gab alles und hielt einiges. „Das waren ja zum Teil Mädchenschüsse“, riskiert der Torwart am Ende seiner zu erledigenden Aufgabe sogar noch eine dicke Lippe. Jogis Sorgen, dass ihm die Spieler weglaufen, waren damit jedoch noch nicht geklärt. „Er ließ das närrische Volk im Zelt an seinen Gedanken teilhaben, möglicherweise Ersatz in Holland oder Italien zu suchen“, denn da habe man Potenzial, welches in diesem Jahr ja nicht an der WM teilnehme, plauderte der Karnevals-Jogi.

Bevor es so weit kommen sollte, durften die Tollitäten ran. Die Dreigestirne aus Rheidt und Ranzel zeigten ebenso wie ihr Gefolge, was sie am Leder konnten. Kopfball oder Ball hochhalten, beides mussten sie demonstrieren – mit unterschiedlichem Erfolg. „Ob ich die mitnehme zur WM, weiß ich aber noch nicht“, zeterte „Jogi“ Esch. Nicht nur technische Mängel zeigten sich auf der Bühne, auch die Kondition von Bauer bis Prinz ließ einiges zu wünschen übrig.

Hoffnung machte Manuel Neuer: „Bei dem Trainer und dem Mannschaftsarzt (Sebastian Sanders) bekommen wir das schon hin“, prophezeite er. Wesentlich besser präsentierte sich die närrische Schar beim gemeinsamen Singen und Tanzen. Zuvor konnte Miriam Richarz nach nur sehr verhaltenem Widerstand die Rathausschlüssel übernehmen. „Mädels die Macht gehört uns“, leitete sie zum anschließende bunte Treiben im Festzelt über.