Die "Fünfte Jahreszeit"

Das kleine ABC des Karneval

Rosenmontagszug in Bonn.

Bonn. Der rheinische Karneval ist in vollem Gange und erreicht bald seinen Höhepunkt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Wörter rund um den "Fastelovend".

Im Karneval geht es um gute Laune, Lust und Leben. Bereits alte Kulturen wie Kelten, Griechen und Römer feierten vergleichbare Feste um den Frühling willkommen zu heißen und die Fruchtbarkeitsgötter zu ehren. Im konservativen, mittelalterlichen Christentum feierte man die teuflische Vergänglichkeit, bis die Reformation dem traurigen Schauspiel ein Ende setzte. Und in der ehemals frei verwalteten Stadt Köln feiert man seit dem 18 Jahrhundert, um dem Gefühl von Selbstbestimmung gerecht zu werden. Diese Tradition ließ man sich auch während den Besatzungen durch die Franzosen (1794) und Preußen (1815) nicht nehmen. Im Gegenteil, hier entwickelten sich elementare Bräuche des Karnevals. Erstmals wurden Prinzenpaare zu Herrschern über Bonn und Dreigestirne zu Regenten der Stadt Köln proklamiert. Es wurden Soldatenkorbs gegründet und zahlreiche Freidenker (hier unter dem Namen "Jeck" bekannt) gründeten Vereine zur Verbreitung des Brauchtums.

Weitere interessante Fakten und wichtige Wörter rund um die "Fünfte Jahreszeit" im kleinen ABC der Karnevals:

A Alaaf

„Alaaf“ lautet der Narrenruf der meisten Jecken im Rheinland. Der Ursprung des Wortes ist unbekannt, die Bedeutung dafür aber umso besser: Denn die Karnevalisten drücken damit aus, dass etwas unübertroffen ist - meist die Stadt, in der gerade gefeiert wird.

B Bützje

Das „Bützje“ ist ein Kuss ohne echte Berührung. Man drückt damit besondere Wertschätzung für eine Person aus. Gebützt wird also bei jeder Gelegenheit, denn schließlich tragen alle Feiernden zur fröhlichen Stimmung im Karneval bei. Und das ist schließlich etwas ganz besonderes.

C Carne vale

Von diesem lateinischen Begriff leitet sich das Wort Karneval (früher noch „Carneval“) ab. Carne vale bedeutet „Fleisch lebe wohl“. Früher leitete man mit diesem Ausspruch die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern ein.

D Dreigestirn

Der „Prinz“, die „Jungfrau“ und der „Bauer“, das sogenannte Dreigestirn, regieren die Kölner Narren in der „fünften Jahreszeit“. Da Frauen im 118. Jahrhundert nicht am Karneval teilnahmen, sind alle Rollen männlich besetzt. Das Kölner Dreigestirn muss so viele Termine wahrnehmen, dass es während der gesamten Amtszeit gemeinsam in einem Hotel wohnt.

E Elf

Die närrische Zahl bringt Struktur in den Karneval. Denn die „Fünfte Jahreszeit“ beginnt jährlich am 11.11. um 11.11 Uhr und jede Karnevalssitzung wird vom Elferrat geführt. Gleichzeitig stehen die drei Buchstaben den Leitworten der Französischen Revolution vor (e = égalité, l = liberté, f = fraternité). Zufall?

F Fastelovend

„Fastelovend“ ist das Wort für Karneval, wenn man sich als echter, rheinischer Jeck kenntlich machen möchte.

G Garde

Die Garden sind wichtige Körperschaften im rheinischen Karneval. Sie beschützen den Prinzen und sind Ausdruck seiner Macht.

H Hätz

Das Kölner „Hätz“ ist der Dom. Die Seele der Stadt ist der Karneval. In der fünften Jahreszeit ist Köln „ein Hätz un en Siel“.

I Imi

Jene, die ihre Heimat verlassen um ein besseres Leben zu suchen, kennt man unter dem Begriff "Immigranten". Im rheinischen Karneval nennt man sie "Imis". Sie kommen meist aus den kleineren Städten und Dörfern rund um Köln.

J Jeck

Als jeck (adjektiv), Jeck (maskulin) oder Jeckin (feminin) bezeichnet man die KarnevalistInnen im Karneval.

K Kölsch und Köbes

"Kölsch" ist vieles. Der Karneval, eine Lebenseinstellung, ein Dialekt, ein Getränk… und Kölsch ist Brauchtum. Das heißt – "wenn wä doosch hät, dann jit et Kölsch". Einzige Ausnahme: Bönnsch, aber nur in Bonn.

Der Meister des Kölsch ist der "Köbes". Er ist die Gastfreundlichkeit in Person, sehr zuvorkommend und immer gut drauf. Aber Achtung: andere Namen als Köbes kennt er nicht, andere Getränke als Kölsch gibt es nicht und Trunkenheit erkennt er nicht, wenn kein Deckel auf dem Bierglas liegt.

L Leeder

Der Karneval kennt viele „Leeder“. Und am schönsten lässt es sich feiern, wenn man sie mitsingen kann. Die Texte dazu gibt es hier.

M Mariechen

Früher von Männern gespielt, dann aber aufgrund des schlechteren Tanzstils und aus ästhetischen Gründen den weiblichen Vertretern des Karnevals übertragen, ist das Mariechen die akrobatische Attraktion des Karnevals. Oft einer Garde zugehörig, tanzen die Mariechen durch die närrischen Tage und verbreiten fröhliche Stimmung.

N Nubbelverbrennung

Der „Nubbel“ ist eine Personifizierung des Sündenbocks. Als Strohpuppe hängt er über dem Eingang der Kneipe und wird in der Nacht von Veilchendienstag auf Aschermittwoch verbrannt. Die Nubbelverbrennung kennzeichnet das Ende der „tollen Tage“.

O Orden

Die Ordensverleihung auf Prunksitzungen ist eine urkölsche Tradition. Zu Zeiten der Preußischen Besatzung verlieh sie der Geringschätzung Ausdruck, die man gegenüber dem preußischen Militär pflegte. Heute werden Karnevalsorden als Auszeichnung für besonderes, karnevalistisches Engagement vergeben.

P Prinzenpaar

Seine Tollität - der „Prinz“ und Ihre Lieblichkeit die „Bonna" - sind die Symbolfiguren und die höchsten närrischen Repräsentanten des Bönnschen Fastelovends in der Bundesstadt Bonn. Sie bilden das „Prinzenpaar“. Die Bonner gewährten ihrem Prinzen jedoch nicht immer einen solch ehrwürdigen Titel. Ursprünglich huldigten sie ihm nämlich als „Hanswurst“.

Q Quetschbüggel

Das im Hochdeutschen als Akkordeon bezeichnete Instrument ist eine beliebte Begleitstimme jecker Leeder. Klemmt er einmal, sollte man ihn mit einem Kölsch motivieren, weiterzuspielen.

R Rusenmontach

Ist der heiligste aller Tage im Fastelovend. Höhepunkt des Tages ist der vielerorts stattfindende Rosenmontagszug. Vor allem in Bonn und Köln zeigen sich die Jecken hier von ihrer schönsten Seite.

S Schunkeln

„Das Typische am Schunkeln ist der spontane Körperkontakt zum Nachbarn. Man hakt sich mit den Armen links und rechts ein, egal ob man sich kennt oder nicht. Das fördert Kontakte, wirkt hemmungsabbauend und schafft Gemeinschaftserlebnisse. Für die Dauer eines Liedes kommt das umarmende Gefühl einer närrischen Familie auf (…)“, beschreibt der Bonner Festausschuss das Geschehen treffend.

T Tollitäten

Die Regenten des Karnevals werden Tollitäten genannt. Diese Bezeichnung ist älter als viele vermuten. Denn sie stammt aus der Zeit als Prinzen noch „Helden“ waren. Und diese wurden treffend mir „Ihre Tollität“ angesprochen.

U Uniform

Das Kostüm ist die Eintrittskarte für den Karneval. Wer ohne Kostüm kommt, kommt nicht gut an! Wer noch keines hat, findet hier passende Ideen und was es im Karneval zu beachten gilt.

V Veedel

Das Veedel ist vergleichbar mit der Nachbarschaft. Ein sehr kleiner Stadtteil, der sich durch großen Zusammenhalt auszeichnet. Oft veranstalten die Jecken hier sogenannte Veedelszüge.

W Wieverfastelovend

Der Wieverfastelovend ist einmalig und bönnsch. Als am 10. Februar 1823 der erste „moderne“ Rosenmontagszug stattfand und die aus Beuel stammenden Männer ihren Lohn dort verprassten, beschlossen ihre Frauen sich zusammenzuschließen. Sie werden von der „Wäscheprinzessin“ regiert und erstürmen traditionell am Donnerstag vor Rosenmontag das Beueler Rathaus. Sie symbolisieren die weibliche Macht im Karneval.

Z Zick

"Zick" steht für Zeit. Ein geflügeltes Wort im rheinischen Karneval ist die „schöne Zick“. Der Begriff beschreibt die respektvolle Fröhlichkeit der Karnevals. Denn gemeinsames Feiern durch Toleranz wird in Köln traditionell groß geschreiben.