Sie kämpft als Nonne mit Erfolg gegen den Sextourismus

<B>Ordensfrau mit Orden:</B> Lea Ackermann gratulierten (vordere Reihe von links) Ulrich Wegener, Ernst Träger und Eike Bleibtreu.

<B>Ordensfrau mit Orden:</B> Lea Ackermann gratulierten (vordere Reihe von links) Ulrich Wegener, Ernst Träger und Eike Bleibtreu.

Lea Ackermann erhält Bullenorden in der Godesberger Stadthalle

Bad Godesberg. (dab) Sie ist Nonne, aber keine brave Kirchenfrau. Sie kennt vor allem die Schattenseiten der Gesellschaft, denn sie packt Themen aus der Schmuddelecke an. Schwester und Ordensfrau Lea Ackermann trägt keine Kutte, keine Haube. Seit Sonntag Abend aber den "Bullenorden". Im Rahmen der AKP-Karnevalssitzung zeichnete sie der Bund Deutscher Kriminalbeamte (BDK) am Samstagabend in der Stadthalle Bad Godesberg aus. Als zweite Frau nach Staatsanwältin Adelheid Werner 1977.

Vor 17 Jahren gründete Ackermann "Solwodi" (Solidarity with women in distress, Solidarität mit Frauen in Not). Zunächst in Kenia, dann in Deutschland. BDK-Bundesvorsitzender Eike Bleibtreu: "Sie ist eine Frau, die ihr Leben in den Kampf gegen den Sextourismus und die Zwangsprostitution einbringt und mit ihrem Verein viele Aufgaben der zahnlosen Ordnungsämter, der Polizei und der Justiz übernimmt."

Schon als Zwölfjährige wollte Lea Ackermann Nonne werden. Nach einer Banklehre, die sie ihren Eltern zuliebe machte, trat sie in Saarbrücken den "Missionsschwestern unserer lieben Frau von Afrika", auch "Weiße Schwestern" genannt, bei. Auf einer Afrikareise erlebte sie später dann, wie junge Mädchen und Frauen an Touristen "verschachert" wurden. Sie begann, mit einheimischen Frauen gegen den Sextourismus zu kämpfen. Schnell wurde ihr klar, dass "ich auch in Deutschland etwas gegen den modernen Sklavenhandel tun muss".

Ackermann habe es geschafft, dass Frauen gegen ihre Peiniger aussagten, wenn nicht bei Polizei oder Justiz, dann bei Solwodi, sagte Ernst Träger bei der Laudatio. "Als Nonne sage ich zu den Bullen ganz sacht, Humor ist, wenn man trotzdem lacht" - es war kein einfaches Unterfangen für Ackermann, dem frohgelaunten und kostümierten Publikum in der Stadthalle ihre Erfahrungen mit dem Sextourismus zu schildern.

In Reimform schaffte sie den Spagat zwischen Büttenrede und ernstem Hintergrund. Das Publikum applaudierte minutenlang und sang ein "Happy Birthday". Ackermann wurde am Samstag 65. Für sie aber noch lange kein Grund, den Kampf für Frauen in Not zu beenden.