Prinz Beukelar fällt durch

Vorstellnachmittag für Sessionsgruppen in Bonn

"Knatsch Verdötscht" setzen das Lied "Drink doch eine mit" auf der Bühne im Haus des Karnevals bildlich um.

"Knatsch Verdötscht" setzen das Lied "Drink doch eine mit" auf der Bühne im Haus des Karnevals bildlich um.

Tannenbusch. Vielfältige Gruppen aus der Region treten an, um in der nächsten Session noch Lücken im Programm zu füllen. Tanz und Musik stehen bei den Jecken besonders hoch im Kurs.

Er drängte sich beim Einmarsch auf die Sitze des Publikums, bestritt einen guten Teil seines Auftritts auf einem Stuhl stehend und präsentierte mit klugen Wortspielen und derben Witzen die ganze Bandbreite des karnevalistischen Humors. Aber bei den Zuschauern im Haus des Karnevals kam Bernd Müller alias Prinz Beukelar einfach nicht an. Zwischen Tanzgruppen und Musikbeiträgen war es offenbar schwierig, einem Redner Aufmerksamkeit zu widmen.

Müller war auch der einzige Programmpunkt dieser Art beim Vorstellnachmittag des Festausschusses Bonner Karneval (FA). Dabei präsentieren sich vor allem Gruppen aus der Region den Veranstaltern kleinerer Sitzungen in der Hoffnung, dass die noch Lücken in ihren Programmen haben, und zwar laut Mirko Heidrich vom FA explizit für die kommende Session. Aus Bonn waren zum Beispiel die KG Teddybären, die Prinzengarde Vilich Müldorf, die KG Rot-Schwarz Endenich und die KG Weiß-Rot Röttgen sowie die Auerberger Sterne als Tanzgruppen vertreten, alles alte Bekannte beim Vorstellnachmittag. Neu waren unter anderem die Musikgruppe Pläsier und das Tanzcorps Rot-Weiß Bechen.

Prinz Beukelar scheitert

Und eben Prinz Beukelar, dem kaum einer zuhörte. An vielen Tischen hörten die Leute nicht auf, sich zu unterhalten. Alle Versuche Müllers, das Publikum einzubinden, versandeten. Dass der Prinz trotzdem sein Programm unbeirrt bis zum Ende durchzog, war angesichts dieser Ignoranz eine respektable Leistung. Müller selbst sah es aber entspannt: Er habe letztlich mit so etwas gerechnet.

Müller mimt den betrunkenen „Miet-Prinzen“ als Persiflage auf die mitunter viel zu ernste Welt der Tollitäten mit Unterbrechungen seit 2000, und zwar „mit großem Erfolg, obwohl man das nicht glauben sollte“. Von Aachen über Köln bis Bergisch Gladbach kennt man ihn in den Sitzungssälen. Und Bonn? Von seinem Abschneiden beim Vorstellnachmittag lässt er sich nicht entmutigen. „Das Bonner Publikum ist dafür bereit.“ Er will außerdem den Redebeitrag hochhalten, der ja im Zeitalter der Party-Sitzungen mit den immer gleichen Liedern und Hebefiguren unter die Räder kommt.

Aus der Rolle gefallen

Von denen sah man am Sonntag einige. Etwas aus der Rolle fiel die Gruppe „Knatsch verdötscht“, die in Bierglaskostüm auf die Bühne kam und ein wenig ausreizte, was das kölsche Liedgut an Texten mit dem entsprechenden Inhalt hergibt. Danach wurde es laut und rockig mit „De Halunke“, und zwischendurch zog das designiert Bonner Prinzenpaar Lose, die zuvor verkauft wurden. Der Erlös geht laut Heidrich an den SV Buschdorf, der sich nach dem Brand seines Materialcontainers neu mit Fußbällen, Trainingsutensilien und mehr eindecken muss.

Der Nachmittag diente den Auftretenden auch dazu, an ihrem Programm zu feilen, zu schauen, was wie beim Publikum ankommt oder nicht. Und die Karnevalisten konnten sich schon mal für die Session aufwärmen und den Nachwuchs an die Bühne gewöhnen. So wie die elfjährigen Zwillinge Patricia und Claudia von Rot-Schwarz Endenich. Sie sind schon seit neun Jahren im Verein. Für sie bedeutet Karneval tanzen. Prinzessin? „Muss nicht sein.“ Dann lieber Tanzmariechen – und zwar am besten gemeinsam.