Der Dudelsack pfeift zum Party-Sound

Mit dem Musik-Duo "Harry und Chris" auf Tour durch die Karnevalssäle - Spaß und Stress im engen Zeitfenster

Rhein-Sieg-Kreis. Der Abend war lang und die Nacht kurz. Harald Bäurich hatte ein Problem mit seinem Funkmikrofon an der Trompete und musste früh um Sieben raus. Fast zwei Uhr war es nach dem Auftritt und ihrer Abba-Show am Freitag auf der Sitzung der Pfarrei Maria Königin in Sankt Augustin geworden, und ein weitere Tag mit fünf Auftritten lag vor ihm.

Da musste schnell Ersatz her. Harald Bäurich alias Harry ist die männliche Hälfte des Musik-Duos "Harry und Chris" aus Bad Münstereifel, das seit drei Jahren vor allem in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis durch die etwas kleineren Karnevalssäle tourt - mit eingebauter Stimmungsgarantie.

Wo sie auftreten, ist Party angesagt. "Damit das so ist, muss aber alles stimmen", sagt der Musiker. "Und da darf das Mikro keine Aussetzer haben." Gerade sind Harald und Christel Bäurich mit ihrem Nissan "Primastar" vor die Aula des Schulzentrums in Ranzel vorgefahren, und sie sind ein wenig spät dran. Drinnen im Saal bei der KG Rut-Wiess Ranzel kochen die närrischen Seelen von rund 350 raderdollen Mädels.

Gut fünf Minuten bleiben den beiden Technikern Andreas Lubinsky und Uli Schmidt, die Instrumente hinter die Bühne zu schaffen und die Gesangsanlage für den Auftritt vorzubereiten. "Hey, Euch kenn' ich doch aus Bonn, ihr seid super", ruft eine jecke Nudel Harry und Chris auf dem Weg zur Garderobe zu. Einen extra Raum gibt es nicht. Man kleidet sich im großen Foyer um. "Jeder kennt seinen Job, deshalb kommt auch keine Hektik auf", sagt Harry. Aber eine gewisse Spannung müsse schon da sein.

Die Band auf der Bühne hat noch Lust zu spielen. "Das kann aber auch zum Problem werden. Würde nach uns der Stelter kommen, müssten wir dann früher von der Bühne", sagt Chris. Die Promis müssen immer pünktlich dran kommen, sonst sind die wieder weg. "Wir sind schon mal nach nur einem Lied von der Bühne gerufen worden", erinnert sich Chris an eine unliebsame Erfahrung.

Es ist das Los der weniger prominenten Künstler im Karneval. Wofür Harry aber durchaus auch Verständnis aufbringen kann. "Die Leute wollen die Promis sehen, und die kosten ja auch viel Geld." Andererseits wollten aber auch sie sich zeigen, und nicht nur die Gage abkassieren. "Deshalb lieben wir die kleineren Sitzungen, das ist einfach herrlich", schwärmt Harry. Gerade kommt das Zeichen aus dem Technikraum - Einmarsch. Und der ist sozusagen die Visitenkarte von Harry und Chris, denn Christel Bäurich spielt auf dem Weg zur Bühne immer "Highland Cathedral", und das als wohl einzige Musikerin im Karneval auf dem Dudelsack.

Gänsehautfeeling im Saal. Was danach kommt, ist Party-Stimmung pur: Mama-Loo-gute-Laune-Sound, Smoke-on-the-water-Gitarrenriff, der in "Hey Kölle" aufgeht, um in "Viva Colonia" zu enden. Der Saal steht Kopf, wie auch die Mühlenbach-Halle drei Stunden später in Vilich-Müldorf. "Das spannende an dem Job ist, dass man sich jedes Publikum wieder neu erarbeiten muss", sagt Harry nach zwei Zugaben und mehr als 30 Minuten Auftritt. Ein neues Publikum wartet schon in Eitorf.

Als Harry und Chris dort bei der KG Närrische Brückenwache gegen 21.30 Uhr ankommen, wird das Zeitfenster schon eng. Kurzerhand beschließen die Verantwortlichen, das Duo vorzuziehen. "Das war Klasse und Karneval live", sagt Harry und steigt in den Transporter, um mit Chris und seiner Crew quer durch den Rhein-Sieg-Kreis zur Stadthalle nach Rheinbach zu fahren. Um 23.15 Uhr soll dort Chris' Dudelsack erklingen. "Es ist schon auch ein stressiger Job", gesteht Harry.

Aber die Jecken sind aus dem Häuschen, denn Christel Bäurich spielt sechs Instrumente, die in ihrer Kiste auf der Bühne versteckt sind: Saxofon, Mundharmonika, Querflöte, E-Gitarre und Akkordeon. Und eben Dudelsack. "Der ist sehr schwer zu spielen. Vor drei Jahren habe ich damit angefangen", sagt Chris.

Die beiden wirken etwas müde, und auch die beiden Techniker, sehnen sich nach einer Mütze Schlaf. Uli Schmidt kennt das Musikgeschäft aus seiner Zeit bei der Big Band der Bundeswehr noch unter Bandleader Günter Noris. "Da habe ich Schlagzeug und Percussion gespielt und später die Technik gemacht." Für ihn sei "der Uli" Gold wert, sagt Harry.

Am Sonntagnachmittag in Hersel war aber auch Schmidt machtlos. "Da war auf einmal der Strom weg", berichtet Harry. Kurzerhand spielten sie Solo Saxofon und Trompete und überbrückten so vier "schreckliche" Minuten. Als der Strom wieder floss, setzte seine Trompete wieder aus. "Dann mussten wir auch noch das Programm kürzen, weil schon der Feuerwehrmann Kresse wartete. Auch das ist Karneval live."

Flexibel sind sie schon, doch sie haben es doch lieber, wenn die Technik stimmt. "Sonst hat man keinen richtigen Spaß", sagt Harry. Spaß wiederum setzt seriöse Arbeit voraus. Rund zwei Stunden täglich probt das Paar zusammen. Und über neue Projekte denken sie ständig nach, "vom Frühstück bis zum Gutenachtkuss am Abend", sagt Chris. Es sei denn, sie sind den ganzen Tag unterwegs. Am Samstag ist es wieder soweit.