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Friedliche Party auf dem Siegburger Markt

Siegburg. Bis zu 4000 zumeist jugendliche Jecke feiern in der City. Polizei und Rettungsdienst hatten weniger zu tun als in den Vorjahren. Kritik gab es an den Eintritts- und Bierpreisen.

Das Siegburger Zentrum im Ausnahmezustand: Wo sonst gemütlich geschlendert und eingekauft wird, tummelten sich am Donnerstag bunt kostümierte Jugendliche. Diese feierten ausgelassen auf dem Marktplatz Weiberfastnacht bei Sonnenschein und eisigen Temperaturen. Viele Jugendliche beklagten allerdings die Eintritts- und Getränkepreise der Party, die von einem professionellen Veranstalter ausgerichtet wird. Auf der anderen Seite verlief die Party in geordneten Bahnen: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und Polizei verzeichneten bis zum späten Nachmittag weniger Einsätze als in den Vorjahren.

Während sich der Marktplatz ab zwölf Uhr nur langsam füllte, war vor dem Bahnhof und vor dem Amtsgericht schon einiges los – also außerhalb der eigentlichen Partyzone. Dort wurde lautstark gefeiert. Zahlreiche Jugendliche drängten sich, viele hatten eine Schnapsflasche in der Hand, der Boden war übersäht mit leeren Glasflaschen; etliche Jecke übergaben sich wegen übermäßigen Alkoholkonsums.

Zum Marktplatz gelangten die Gäste nur durch Schleusen an der Bahnhofstraße, an der Goldenen Ecke/Holzgasse und an der Bergstraße/Mühlenstraße. Dort machten Sicherheitskräfte Taschen- und Alterskontrollen und kassierten fünf Euro Eintritt. Den Schleusen vorgelagert war eine Station, wo die Jugendlichen den selbst mitgebrachten Alkohol abgeben mussten oder vorher noch austranken.

Getränke-Verbot ließ sich umgehen

Auf dem Festplatz gab es Bier, Biermixgetränke und nicht alkoholische Getränke. Hochprozentiger Alkohol war tabu. Doch mit dieser Regelung waren viele Jugendliche nicht zufrieden. „Wir gehen heute nicht rein, der Eintritt und das Bier ist uns einfach zu teuer“, sagte eine vierköpfige Gruppe von Jugendlichen im Alter von 18 bis 20 Jahren, die namentlich nicht genannt werden wollten. Sie hatten sich auf der Bank vor dem „Zeitraum“ der Diakonie an der Ringstraße eine eigene Bar aufgebaut. Darauf standen mehrere Flaschen mit hochprozentigem Alkohol.

Damit hatte es die Gruppe irgendwie in die Zone geschafft, in der selbst mitgebrachter Alkohol verboten war. „Wir haben einen kleinen Umweg gemacht und sind dann damit ganz locker hier her gekommen“, sagten die zwei Mädchen und zwei Jungs. Viele würden „vorglühen“, also schon vor der Party Alkohol trinken, sagten sie. Dann müsse man kein Geld für das Bier auf der Party ausgeben. Mit drei Euro pro 0,3 Liter Kölsch waren dort vielen Jugendlichen die Getränke zu teuer.

„Die Party hat unter unseren Freunden keinen guten Ruf“, sagten die 16- bis 18-jährigen Mädchen aus einer Gruppe auf dem Markt. Sam, Kilian und Valentin sahen das ähnlich. „Viele Freunde sind heute nach Hennef gegangen, weil da der Eintritt umsonst war.“ Die Besucherzahlen spiegelten diese Meinung aber nicht wider. Nach Schätzung des Veranstalters kamen rund 4000 Gäste, mehr als im vergangenen Jahr. Damals waren es 3500.

Bürgermeister Huhn befürwortet Event

Gegen 14 Uhr hatten die jungen Jecken dann wohl genug „vorgeglüht“. Zu diesem Zeitpunkt war der Marktplatz bis oben hin gefüllt, und die Party nahm Fahrt auf – unter anderem mit Auftritten der Siegburger Ehrengarde, der Band Palaver oder La Mäng. Mitten im Gemenge stand Bürgermeister Franz Huhn: „Die Jugendlichen sind in guter Verfassung und haben gute Stimmung.“ Zur etwas chaotischeren Situation vor dem Bahnhof sagte er: „Daran sieht man, wie das ausartet, wenn Jugendliche unorganisiert feiern. Deswegen ist es genau richtig, wie das hier geplant wird.“

Ursprünglich hat sich die Party in Siegburg aus feiernden Schülern entwickelt, es gab keinen festen Rahmen. Die Stadt steuerte irgendwann ein Bühnenprogramm bei, um gute Stimmung zu verbreiten und negativen Begleiterscheinungen wie Alkoholexzessen und Aggressionen vorzubeugen. 2015 strich die Stadt das Programm aus Haushaltsgründen, die Party fiel ins Wasser. Danach übernahm der Veranstalter Lekkermann (jetzt Rut Wiess Event) die Organisation.

74 externe Sicherheitskräfte und 25 eigene seien für die Kontrollen und Sicherheit an den Absperrungen im Einsatz gewesen, so der Veranstalter. Zudem waren Mitarbeiter des Ordnungsamtes, des Jugendamtes, Polizeibeamte und etwa 100 ehrenamtliche Helfer des DRK Rhein-Sieg für den reibungslosen Ablauf unterwegs.

Wenig zu Versorgende, wenig Polizeieinsätze

Alle Helfer waren sich einig: Der Alkohol löst erfahrungsgemäß die meisten Einsätze aus. „Die Jugendlichen überschätzen sich, spüren die Kälte nicht mehr und kommen dann entweder zu stark alkoholisiert oder unterkühlt bei uns an“, sagte DRK-Abteilungsleiter Holger Hammer. Die Hilfskräfte hatten am Donnerstag auf der Feier bis zum späten Nachmittag insgesamt 17 Feiernde versorgt. Das seien wesentlich weniger als im vergangenen Jahr, sagte Einsatzleiter Pascal Hassel.

Auch die Polizei hatte weniger zu tun gehabt als in den Vorjahren. Bis zum Nachmittag habe es nur wenige Zwischenfälle gegeben, sagte Pressesprecher Stefan Birk. Eine Person sei wegen Körperverletzung in Gewahrsam genommen worden und vor dem Bahnhof seien rund ein Dutzend Platzverweise ausgesprochen worden.