Karneval in Rheinbach

Showtanzfestival und Kostümbasar in Rheinbach

Rheinbach. Beim Showtanzfestival des NCR Blau-Gold tanzen 22 Gruppen. Ninjas und Prinzessinnen wurden beim Kostümbasar angeboten.

Das Narrencorps NCR Blau-Gold Rheinbach musste etwas experimentieren, bis es wusste, was die Jecken der Region am Samstagabend erleben möchten. Dann startete es vor fünf Jahren ein Showtanzfestival, das auch an diesem Wochenende wieder zahlreiche Besucher in die Rheinbacher Stadthalle lockte.

Vom frühen Abend bis Mitternacht präsentierte der Verein 22 Tanzgruppen auf der Bühne, eine rasanter und akrobatischer als die andere. Schon der Auftakt mit den NCR-eigenen Garden ließ das erahnen. Danach brachten die Palm Beach Girls aus Euskirchen in drei Gruppen 104 Tänzerinnen mit. „Ein Knaller“, fand Pressesprecher Roland Kaiser.

Und nicht der letzte. Später kamen die drei Funkengruppen aus Hilberath, deren Minis einen Eistanz zeigten. Die Wilden Funken wirbelten als Cheerleader herein, bevor die Chaosfunken mit Lichterstäben und Glitzerkostümen für „Chaos im Weltall“ sorgten. Es gab Besuch von den Puschelludern und den Mollypops aus Merzbach, die Twirling Sticks reisten aus Remagen an, das Funkencorps Blau-Weiß aus Linz.

Ein Trend unter den Showtänzen war der modern interpretierte Rock'n'Roll. Den zeigten unter anderem der Lüftelberger Karnevalsclub und die Stadtgarde aus der „fremden Stadt Ost-Meckenheim“, wie NCR-Kommandant Dieter Bückmann sie ankündigte. „Ihr hattet mal mehr Männer da oben“, merkte er an, als die Meckenheimer sich aufgestellt hatten. Ja, bestätigten die. Nur ein Tänzer war noch übrig, die anderen saßen im Publikum und entschuldigten sich fröhlich. Das Alter, Rücken und Knie. Schade, denn ursprünglich war das Showtanzfestival vor allem für Männerballette der Region gedacht.

Von denen gab es in diesem Jahr nur wenige. Die Magic Men der KG Nubbel aus Euskirchen zeigten eine Hommage an die Musik der 1990er Jahre, inklusive wilder Sprünge und Hebefiguren. Als sie dann noch lasziv die Jacken auszogen, um im T-Shirt weiterzutanzen, kreischte das Publikum begeistert. Der NCR schickte ebenfalls seine Männertruppe ins Rennen. Ihr Tanz erzählte die Geschichte eines Kneipenbesuchs – inklusive Flirt mit einem Tanzmariechen – bis zur Hochzeit.

Der Kostümbasar

Beim Kostümbasar des Familienzentrums Hopsala am Samstag standen Ninja-Kostüme hoch im Kurs. Die Mädchen seien nach wie vor gerne Prinzessinnen, beobachtete Pia Gerhards. Die Elternbeirätin nahm bei diesem ersten Kostümbasar des Familienzentrums Verkleidungsspenden an und half den Suchenden bei der Auswahl. Der sechsjährige Conner habe schon ein Ninja-Kostüm zu Hause, sagte er. Fasziniert war Conner von einer antiken Piraten-Spielzeugpistole, mit der er auf alles und jeden zielen konnte. Das sahen die Betreuerinnen um Teresa Gieseke nicht so gerne, und im buchstäblichen Handumdrehen wurde aus der Pistole eine Tröte.

Nach und nach füllten sich die Kleiderständer und Boxen an diesem Nachmittag. Eine große US-Flagge als Überwurf, bunte Narrenkappen, ein blaues Feder-Toupet, die Perücke „Katy“, ein Leoparden-Rock oder ein kariertes Dirndl mit Herzchen waren dabei. Für gut erhaltene Accessoires und Kostüme gab es bis zu sechs blaue Wertmarken. Dafür konnte man entweder Kostüme erstehen oder sich am Kuchenbüfett eindecken und dazu einen Kaffee oder eine Limonade trinken.

Clara und Charlotte (beide 5) waren bei der Auswahl des Kostüms noch unschlüssig. Sie beschäftigten sich zunächst mit einem bunt dekorierten, blonden Zopf mit Haarreif. Jannis (5) dagegen wuchs sofort in sein schwarz-weiß-pink gestreiftes Piraten-Kostüm mit passender Augenklappe und kletterte die Treppe zur nächsten Ebene hinauf. Mutter Saskia Essam hatte es ein lila Schmetterlings-Überwurf angetan. Die Tochter zu Hause wisse noch nichts von ihrem Glück, sagte sie und lächelte.

Hartmut Bader transportierte eine Sammlung aus gut 30 Jahren familiärer Karnevals-Geschiche in einer großen Plastik-Box herbei. Glänzende und glitzernde Kostüme waren darunter, das braune Fransenkleid für eine Indianer-Squaw, die Garderobe eines Sultans nebst Hut mit Feder. Mit den 60 Bons, die dem Zahnarzt dafür angeboten wurden, hätten er und seine Frau Arnhild das gesamte Kuchenbüfett plündern können. Aber dem gebürtigen Rheinländer ging es nicht darum, sondern um die Weitergabe des Spaßes am Jeckentum.

Der wuchs angesichts des Angebots auch bei Eltern und Großeltern. Rüdiger Keunecke etwa möchte mit seinem neuen Sultan-Outfit wahrscheinlich zur Landsturm-Sitzung gehen. Amira, die Mutter von Rodan und Jian, hatte Spaß an einer großen glitzernden Sonnenbrille und einem himmelblauen Stirnband. Dagegen konnte sich der fünfjährige Senan mit einer Kette aus Federn, Perlen und künstlichen Raubtierzähnen nicht so schnell anfreunden.

Der erste Kostümbasar sei ein „Testlauf“, so Pia Gerhards. Man habe nach Ideen gesucht. Inspiriert habe sie auch der Nachhaltigkeitsgedanke. Denn für drei Euro oder im Tausch konnte man sich eine komplette Narrenausstattung zulegen. ⋌