Vorbereitung für Rosenmontag

Prinz und Bonna bunkern Kamelle satt

Bonn. Der Pfauenwagen des Prinzenpaares startet mit rund zwei Tonnen Wurfmaterial. In der großen Wagenhalle am Haus des Karnevals in Tannenbusch fliegen zur Übung schon mal die Kamellekisten durch die Luft.

Es hat ein bisschen was von Kofferpacken für den Urlaub. Der begrenzte Platz will ideal genutzt werden – und das Einpacken vor der Reise dauert auch immer länger als das Auspacken. Für das Befüllen des Prinzenwagens gilt ein ähnliches Prinzip. Eine Woche vor Rosenmontag treffen sich Prinz Dirk II., Bonna Alexandra III. und Mitglieder des Festausschusses, um den Pfauenwagen mit Kamelle zu bestücken.

„Einmal Haribo, bitte!“, ruft Prinzenführer Christoph Arnold von der mittleren Plattform des Karnevalswagens den Helfern am Boden zu. Auf mehreren Paletten stapeln sich rund um die leuchtende Pfauenfigur Pappkartons voll mit Gummibärchen, Lakritzschnecken, Karnevalspasta und Chipstütchen. Innerhalb von ein paar Minuten stehen fünf neue Kisten mit Süßigkeiten auf dem Rand des Wagens. Arnold reicht die Kisten an Prinz Dirk auf der oberen Plattform weiter.

„Außer dem Prinzenpaar sind alle geübt. Wir machen das schließlich jedes Jahr“, erzählt Arnold, während er die Kartons nach oben angibt. „Es muss eingespielt als Team laufen“, ergänzt er. Die Vorbereitung des Prinzenwagens läuft genau nach Plan: Am Boden packen Helfer die Kartons auf den Paletten aus, entfernen die Deckel und reichen die Kisten hoch zu den Helfern auf dem Wagen. Dort reißen Bonna Alexandra und ihre Paginnen die großen Packungen aus Plastik auf und schütten die kleinen Gummibärchentütchen in die beiden großen Tröge in der Mitte des Pfauenwagens. Dort könnte ein Kinderprinzenpaar locker Platz finden – so groß sind die Behälter. Alles, was dort drinnen landet, muss direkt wurffertig sein. Entlang der Balustraden des Wagens sind ebenfalls Vertiefungen für die Kamelle eingelassen. Auch die werden an diesem Tag komplett mit süßem Wurfmaterial bestückt, das die Teilnehmer – wie in anderen Vereinen auch – selbst bezahlen.

„Wir haben ja schon beide Rosenmontagszugerfahrung“, erzählt Bonna Alexandra, während sie die nächste Tüte Gummibärchen in den Trog kippt. Arnold drückt immer wieder auf die Masse an bunten Tütchen, um keinen Zentimeter Stauraum zu verschenken. Eine Plattform weiter oben sitzt Prinz Dirk und verstaut Kartons im Fußraum. Hinter blauen Samtvorhängen verbirgt sich dort weiterer Stauraum. Seine Kinder helfen bei der Aktion mit und ordern beim Bodenpersonal direkt Nachschub an Lakritzkisten. Die Materialien, die hinter den Vorhängen verschwinden, werden so vorbereitet, dass damit während der Fahrt die Tröge schnell wieder aufgefüllt werden können. „Nachladen geht schnell“, sagt Arnold und hält mehrere Eimer hoch. Aus den vollen Trögen werden einfach Kamelle geschippt und in den Ausbuchtungen entlang des Wagens verteilt.

„Wir nehmen nur die Kartons mit, die sich zusammenfalten lassen“, so Arnold. Aus Sicherheitsgründen dürfen im Rosenmontagszug keine Kartons mehr während der Fahrt vom Wagen geworfen werden. Alles, was an Ladung mitgeführt wird, muss bis zum Ende des Zuges auf dem Wagen verbleiben – eine logistische Herausforderung. Alle Plastiktüten und alle Kartons, die nicht zwingend benötigt werden, fliegen an diesem Morgen also wieder runter. Den Müll und die zertretenen Kamellen, die bonnorange nach dem Zug einsammelt, verbrennen die Stadtwerke zur Energiegewinnung.

Mittlerweile haben die Helfer links neben dem Wagen einen gelben Container für Plastikmüll aufgestellt, die leeren Tüten wirft Bonna Alexandra direkt von oben in den Container. Auf der anderen Seite übernehmen zwei Helfer die Zerkleinerung der Pappverpackungen und reißen die Kartons in kleine Stücke.

Nach weniger als 20 Minuten sind vier Paletten Wurfmaterial im Inneren des Wagens verschwunden. Bis alles verstaut ist, werden allerdings rund zwei Stunden vergehen. Fast zwei Tonnen Wurfmaterial werden das Prinzenpaar und seine Helfer dann in dem vier Meter hohen und zwölf Meter langen Gefährt verstaut haben, schätzt Arnold. Frische Wurfmaterialien wie Äpfel werden allerdings erst am Rosenmontag aufgeladen. Und auch hier gilt das Prinzip wie im Urlaub: Auspacken und Kamellewurf gehen dann ganz leicht von der Hand.