250.000 Zuschauer

So stimmungsvoll war der Bonner Rosenmontagszug

Bonn. 250.000 Jecken jubelten am Montag dem Bonner Rosenmontagszug zu. Das Motto in diesem Jahr: "Loss mer fiere und studiere"

Zum Feiern und Kamelleschnappen bedarf es keiner Hochschulzeugnisse. Diese Lektion haben Festausschuss und Uni von den 250.000 Narren am Rand des Rosenmontagszugs gelernt. Denn die Institutionen hatten schließlich das Motto „Loss mer fiere und studiere“ ausgerufen – anlässlich des 200. Geburtstag der Alma Mater. Wobei Feiern allein halt auch funktioniert. Klein und Groß erlebten einen bunten und internationalen Zug. Überschattet wurde er vom Unfall eines Wagenengels, der stolperte, unter einen Traktorreifen geriet und sich am Fuß verletzte.

„Ich bin begeistert, jetzt von den Jecken empfangen zu werden. Du erlebst die ganze Session noch einmal. Wahnsinn“, zeigte sich Dirk II. vor dem Abmarsch begeistert. Bonna Alexandra III. hätte nicht vermutet, dass sich die Session noch einmal so steigern würde. „Ich muss mich am Riemen reißen, dass nicht ein paar Tränen rollen.“ Als die beiden dann durch die Menge fuhren, strahlten sie und vergaßen dabei nicht, genügend Kamelle zu werfen. Das versucht nur der Funkentöter ganz oben auf seinem Wagen zu toppen, der wie ein Wilder nach beiden Seiten scheppte. Ob er das Tempo wohl auf dem ganzen Weg von der City bis zur Altstadt durchhielt?

„Wir tragen den Karneval in alle Welt“, meinte Unirektor Michael Hoch. Er hatte zum Jubiläum zwei Delegationen aus Japan und Polen mit in den bönnschen Fastelovend genommen. Mit dem internationalen Chor im Schlepptau waren es dann 30 Nationen. Internationale und intellektuelle Konkurrenz kam von den UN-Funken, die mit Slogans wie „Sustainable development“ und „Quality Education“ um sich warfen. So gab’s für alle Jecken also nen Zug mit Vokabeltest: Wer „Nachhaltige Entwicklung“ und „hochwertige Bildung“ übersetzte, bekam eine Eins. Auf so was ließen sich die Fidele Walzbröde der Kolpingsfamilie Bonn-Zentral in ihren Blaumännern gar nicht ein. „Me fiere on liere och ohne ze studiere“, hielten sie die Fahne fürs Handwerk hoch: „Meister statt Master“.

Meisterhaft waren denn auch die Fabelwesen der Läufer von Stelzen-Art aus dem Bremer Karneval: Die zeitreisenden Fantasietiere ein echter Hingucker. „Wir orientieren uns am Steampunk“, sagte Janine Jaeggi oben auf ihren Stelzen und meinte damit die Literatur über die viktorianische Zeit mit ihren Science-Fiction-Erfindungen – man denke an Jules Verne. So passte das auch als Einstieg für den Zug im Zug, der an den ersten Bonner Maskenzug 1828 erinnerte. „Die höfische Adelsgesellschaft begleitet den Wagen von Hanswurst und Freudgöttin Laetitia.“ Kamelle hatten die wie damals nicht dabei. „Wir dürfen stattdessen huldvoll winken“, meinten die beiden, dargestellt von Karl Friedrich und Elisabeth Schleier.

Es folgten Marianne III., Kurt I., Willi III. und, und, und – alles ehemalige Prinzen und Bonnas in weißen Fräcken. „Sieht das nicht toll aus?“, fragte Marion I. (Leyer, 1999). Ihr Prinz, Andreas I. (Etienne), hatte seine Schärpe vergessen. „Ich mache dafür ein wichtiges Gesicht“, meinte der Springmaus-Kabarettist und versuchte vergeblich, ernst zu bleiben. Als älteste Tollitäten gingen Barbara I. (Feith, 1969) und Ulrich I. (Kessel, 1972). Die Bönnschen Pänz bildeten den Abschluss der historischen Abteilung, die vielleicht als solche noch klarer vom anderen Trubel hätte getrennt werden müssen.

So toll die Kapellen aus allen Ecken Deutschlands und den Niederlanden auch spielten, ihre Verteilung war nicht ganz glücklich. Bei den Mariechen der Prinzengarde Vilich-Müldorf und von Rot-Schwarz Endenich dahinter kam nämlich keine Note an, so dass sie winken und Pantomime tanzen mussten. Doch wo der „kölsche Jung“ und Samba-Rhythmen erklangen, ging natürlich sofort die Post ab.

Wenn Beueler Realschüler schon nicht auf Asbest aufmerksam machen durften, so verbot den Gymnasiasten vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium niemand, auf die fehlende Aula hinzuweisen. Das Motto der Blauhelmtruppe: „Seit zwei Jahren im Gerüst, wann werde ich endlich wachgeküsst?“ Ein Bützchen wird wohl nicht reichen, das hebt höchstens die Laune.

„Es macht alles sehr viel Spaß“, sagte Fuhra vom Deutsch-Afrikanischen Zentrum in ihrer bunten Tracht und tanzte davon. So wie die Bolivianer oder die Bönnsche Chinese, die eine völlig verrückte Truppe aus Dietfurt an der Altmühl eingeladen hatten. So marschierten die Bayrisch Chinesen mit ihrem Kaiser „Fu-Gau-Di“ durch Bonn, wobei gar kein Chinese dabei war. „Es heißt, die Dietfurter sind geizig wie die Chinesen“, erklärte Daniela Palm. So sei die Faschingsgruppe vor 90 Jahren entstanden. „Der rheinische Karneval ist kalt, aber super“, sagte sie. Da helfen nur viel Bewegung wie beim Circus Comicus und viel Kamelle werfen. Der Funkentöter hat jetzt Muskelkater, wetten?

Hier gibt es die Übertragung des Bonner Rosenmontagszug noch einmal zum Anschauen: