Veilchendienstagszug in Rheinbach

1000 Jecken lassen Kamelle regnen

Rheinbach. In Rheinbach waren am Veilchendienstag die Jecken unterwegs. Mit dabei waren auch die „jecke Vöjel“, die Stadtsoldaten oder auch die "Schwaadlappen".

Die Frage, was sie zum Karnevalszug in Rheinbach trägt, ist für Sigrid Logemann in diesem Jahr leicht zu beantworten: „Das ist mein Hochzeitskleid – das Original. Ich habe es nur mit Silberfarbe besprüht“, sagt sie und bringt für eine gekonnte Drehung die Reifen ihres Reifrocks zum Schwingen. „Und es passt nach 25 Jahren noch.“ Der Hinweis auf zweieinhalb Jahrzehnte Eheschließung fällt mit Bedacht: Schließlich treffen ihr Silberhochzeitstag und der Rheinbacher Veilchendienstagszug auf einen Tag – ein doppelter Grund zum Feiern.

Mit dabei hat sie Ehemann Karsten Logemann, FDP-Fraktionschef im Rheinbacher Rat, und Mitglied der Gro-Rhei-Ka Narrenzunft Prinzengarde. Der erinnert in seinem funkelnden Palettenjackett an eine strahlende Discokugel. Fast 1000 bunt kostümierte Jecken aus 40 Gruppen machen sich am Tag vor Aschermittwoch auf den erstmals verkürzten Zugweg.

Ein Zufall will, dass ein Blick in den Familienkalender den Logemanns offeriert, dass der Jubiläumstag ihrer standesamtlichen Trauung exakt auf den Tag fällt, da Sigrid Logemann traditionell bei den ehemaligen Eltern der Wibbelstätz-Kinder mitgeht und Gatte Karsten auf dem Elferratswagen der Gro-Rhei-Ka zu finden ist. Ein nur angedeuteter Blick unter den Reifrock verrät, dass sogar das echte Strumpfband der Eheschließung anno 1992 im prachtvollen Veilchendienstag mitgeht. Die Wibbelstätz-Eltern haben zu Ehren des Silberpaars 35 000 Papierrosen in Silber und Rot gefaltet und auf den Karnevalswagen geklebt. „In 25 Jahren trage ich mein Brautkleid noch einmal – dann Gold angesprüht“, meint Logemann.

Eine der größten Gruppen – neben den Rheinbacher Stadtsoldaten – bilden die Mütter und Väter, Erzieherteams sowie Mädchen und Jungen der Kita Rasselbande. Rund 50 farbenfrohe „jecke Vöjel“, so das Motto, hellen das drohende Grau am Firmament auf. Mattes, mit 14 Monaten der jüngste Jeck der Gruppe, lässt sich anfangs vorsorglich auf dem Arm tragen, um nicht schnell außer Puste zu geraten. Bunt ist auch die Lieblingsfarbe der traditionell eher rot bevorzugenden SPD. „Uns ist jeder in Rheinbach willkommen – gleich welcher Nationalität und Religion“, meint Martina Koch, Fraktionschefin der Sozialdemokraten. Politisch unterwegs ist auch die Rheinbacher CDU: Auf ihrem Wagen hebt ein Hund sein Bein an einem Baum, auf dem ein AfD-Schild genagelt ist.

Über die „Invasion der Wagen(b)engel“ macht sich die Gruppe um Volker Ruberg lustig. „Es gibt immer mehr Vorschriften, darum zeigen wir, wie der Zug der Zukunft aussieht“, meint Ruberg, dessen Entourage Warnwesten und ein Blinklicht auf dem Kopf trägt.

Dem drohenden Regen die Stirn bietet der Kegler des Clubs „Schwaadlappen“, die lange Ketten mit Wassertropfen angelegt haben. „Die Sonne tragen wir in unserem Herzen“, meint Maria Bauerfeind.

Mit einem stattlichen Löschfahrzeug aus New York steuern die Fußball des VfL durch Rheinbach und lassen reichlich Kamelle aufs Narrenvolk regnen. Erst der zweite Blick zeigt: Das Feuerwehrauto ist ein „Fake“ – oder besser gesagt ein Beweis detailgetreuer Wagenbaukunst aus Oberdrees. Und auch Donald Trump darf im Rheinbacher Zug nicht fehlen: „America First, Ohne Dorf Förster“, titeln die Mitglieder des Junggesellenvereins Ohne Dorf.