Nowottny trägt Kappe, der Serienstar Kutte

Peter Feuser mutiert an Fastelovend zum Spanier und Miss Vorgebirge schlüpft als Burgfräulein in Tüll und Brokat - Die Latzhose "Gras" liegt voll im Trend

Rhein-Sieg-Kreis. Harry Potter hat ausgezaubert. Zumindest, wenn es darum geht, was der Rheinländer zu Fastelovend trägt.

Wer im Trend der Session liegen will, setzt laut Frank Schröder, Geschäftsführer eines großen Godorfer Karnevalsausstatters, auf das Modell "Latzhose Gras". Platz zwei halten Indianer und Cowboys, gefolgt vom luftig-leichten Gladiator-Outfit, dem Klassiker Clown und Tierfellkostümen in allen Variationen. Alle Ehre machen den tollen Tagen 2002 pink fluoreszierende Mönchs- und Nonnenkostüme; gefragt sind zudem "Scream"-, Schröder- und Stoiber-Masken. Soweit die Theorie. Inwiefern die Kostüm-Hitliste in Vorgebirge und Voreifel Gültigkeit besitzt, wollte der GA wissen.

Und direkt beim ersten der Befragten, dem Journalisten und ehemaligen WDR-Intendanten Friedrich Nowottny aus Swisttal-Buschhoven, hat die Liste auch schon ausgedient. Allem Modediktat zum Trotz setzt der 72-Jährige in puncto Verkleidung auf seine Karnevalskappe und ein ganz besonderes Edelmetall, das er bei der Verleihung des "Ordens wider den tierischen Ernst" 1984 vom Aachener Karnevalsverein erhalten hat. Dabei handele es sich nicht nur um ein "schönes Stück - ich habe den Eindruck, dass es aus Silber ist" - sondern schließlich auch um ein "Unikat, das nicht jeder hat".

Auch privat lege er den Orden schon einmal an, so Nowottny. "In Bonn habe ich mich schon einmal mit einer Perücke verkleidet, mit der ich nicht erkannt worden bin. Natürlich habe ich auch schon einmal eine Pappnase angelegt."

Als "böser Mönch" will Jan Sluyterman, der in der RTL-Serie "Unter uns" die Rolle des Griffin Collins spielt, im Karneval mitmischen. In brauner Kutte, mit schwarz geschminkten Lippen und nicht gerade sympathischem Gesichtsausdruck soll die Aufmachung einen gelungenen Kontrast zu anderen, "guten" Mönchen bilden. Alles andere wäre "langweilig". Ursprünglich sah die Kostümplanung des 22-Jährigen aus Swisttal-Buschhoven jedoch anders aus: "Zuerst wollte ich mit einem Freund im Partnerlook als Nonne gehen. Dann haben wir uns aber umentschieden."

Als Burgfräulein ist Nicole Hoffmann, amtierende Miss Vorgebirge, an Weiberfastnacht in Köln unterwegs. Weil das adlige Gewand jedoch nicht so passte, wie es sollte, ließ die 21-Jährige aus Wesseling-Urfeld kurzerhand ihr Kostüm ändern. "Burgfräulein ist `mal was anderes, nachdem ich schon Clown, Hexe und Krankenschwester war. Ein bisschen sehe ich dann aus wie eine Prinzessin." Passend dazu ließ sie sich am Urfelder Kirchbrunnen fotografieren. Denn "da zu sitzen, fand ich recht schön".

Völlig trendfrei fiel die Wahl von Peter Feuser, Pressesprecher der Stadt Rheinbach, aus.

"Ich hatte gar keine Vorstellungen, bis mir das Kostüm eines Spaniers bei einem Kostümverleih ins Auge fiel." Und ganz nebenbei passe die südländische Tracht schließlich auch "etwas" zu ihm. Und bewährt hat sich das Ensemble - bestehend aus einem weißen Hemd, passender Weste, roter Schärpe und schwarzer Hose - bereits bei der traditionellen Landsturmsitzung.

Für ein fröhliches Clown-Outfit hat sichHelmut Wolber, Schulleiter des Meckenheimer Konrad-Adenauer-Gymnasiums, entschieden. "Der Clown vermittelt nach außen hin Optimismus und Lebensfreude - selbst wenn man im Inneren eher nachdenklich ist." Gerade in der heutigen Zeit sei es aber wichtig, "positive Zeichen" zu setzen, findet der Pädagoge. "Lachen hilft immer und überall und vertreibt Ängste und Nöte."