Sessionsauftakt in Bonn: Jecken starten in die fünfte Jahreszeit

Sessionsauftakt : Jecken starten in Bonn in die fünfte Jahreszeit

Um 11.11 Uhr hat auch in Bonn die neue Karnevalssession begonnen. Hunderte Jecken feierten seit dem Vormittag. Die Session unter dem Motto “Jötterfunke överall – Ludwig, Bonn un Karneval“ endet am 26. Februar kommenden Jahres.

Es gibt mehr Regeln im Karneval, als mancher meint. Zur wichtigsten gehört: Die Session ist am 11.11. um 11.11 Uhr zu eröffnen, weder früher noch später. Das haute hin an diesem Montag auf dem Marktplatz im Herzen der Stadt. Die Band Flönz schmetterte zuvor ihre Lieder auf der Bühne. Stephan Eisel, Vizepräsident des Festausschusses Bonner Karneval, dirigierte als Moderator die Menge, die den Raum zwischen Bühne und Rathaustreppe stattlich füllte. Er zählte den Countdown herunter. Sodann folgte der Kanonenschlag von Bonner Stadtsoldaten und Bonner Ehrengarde mit anschließendem Einmarsch der Tollitäten vom Rathaus herüber. Eisel im Stile eines Fußballkommentators: „Sie kämpfen sich langsam durch den Mittelgang.“

Der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan sprach angesichts der vollen Reihen von einem „wunderbaren bunten Bild“. Ein bis drei Alaafs gab es für so ziemlich jeden, der es auf die Bühne schaffte. Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst stellte Prinz und Bonna, Richard I. und Katharina III., vor. Dass sie ebenso wie die Erwachsenen- und Kindertollitäten aus den Stadtbezirken schwer aufgeregt waren, hatten sie bereits im kleineren Kreise beim Empfang des OB im Gobelinsaal des Rathauses kundgetan. Obermöhn Ina Harder, nicht erst seit gestern jeck in vorderster Reihe, hatte dort in ihrer kurzen Ansprache sogar kurzzeitig das Motto der Beueler Karnevalisten vergessen. Wäscherprinzessin Romina I. half nach. Es lautet ein bisschen zungenbrecherisch „Beuele Wieve klassisch jeck, mit Beethoven he an jeder Eck“. Die Aufregung aller Beteiligten verflog dann doch merklich, als es richtig losging.

Session endet am Aschermittwoch, 26. Februar

Direkt neben der Bühne hatte sich ein alter Bekannter des Bonner Prinzen eingefunden, der unter vorgehaltener Hand verriet: „Der Richard ist ’ne Rampensau.“ Für den Jeckenreigen der bevorstehenden Monate, die Session endet am Aschermittwoch, 26. Februar, sind das keine üblen Voraussetzungen. Richard (an der Gitarre) und Katharina (zuständig für den lieblichen Gesang und nach eigener Aussage bereits in jungen Jahren „auf manch’ ramponierter Bühne gestanden“) intonierten ein eigens zu diesem Anlass getextetes Stück. Die Zeile „Jötterfunke överall und wir sind mitten drin“ zur Melodie der „Ode an die Freunde“ aus der neunten Sinfonie ließ schon einmal anklingen, dass Beethoven als größter Sohn der Stadt im Mittelpunkt aller Sessionsmotti steht, schließlich wäre er im kommenden Jahr 250 Jahre alt geworden.

Besonders vor der Bühne schwenkten denn auch einige Närrinnen und Narren mit kleinen Fähnchen, auf denen Ludwigs Konterfei zu sehen war. Den Mottoschal des Bonner Festausschusses (“Jötterfunke överall – Ludwig, Bonn un Karneval“) hatten sich Besucher des Marktplatzes mal enger mal lockerer um den Hals gebunden. Bei kühlen Temperaturen und ebenso kühlem Bier, das die ein oder anderen Kehlen herunterzufließen hatte, leistete das Tuch sicher einen wärmenden Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung.

Kongolesin lernt Bonner Karneval kennen

Peter Klein aus Beuel half der farbenfrohe Schal jedenfalls dabei, seine Erkältung so weit in den Griff zu kriegen, „dass ich überhaupt kommen konnte“. Den Auftakt lässt er sich nur ungerne entgehen. „Es ist was los in Bonn, aber die Leute können auch am Abend alle noch ihren Namen geradeaus sprechen, was im Kölner Karneval nicht immer der Fall ist“, sagt er. Mapendo Sumuni hat es mehr aus Zufall hinein in den Bönnschen Karneval getrieben, sie ist bei einem Freund zu Besuch, der bei den Vereinten Nationen arbeitet.

Die Kongolesin hat, wie sie zu erzählen weiß, einen als Dinosaurier verkleideten Herrn auf dem Friedensplatz vorbeistapfen sehen, auf dessen (verkleideter) Brust das Wort „T-Sex“ zu lesen war.  Aus Neugierde folgte sie im gebührenden Sicherheitsabstand. „Ich muss schon sagen, die bunten Kostüme und die fröhliche Tanzerei gefallen mir.“ Dieser Eindruck dürfte Stockhorst, Harder, der Liküra-Präsidentin Marion Müller und dem Präsidenten des Bad Godesberger Prinzenpaars, Armin Weins, gefallen. Hatten sie doch unisono betont, sie wollten das Brauchtum weitertragen an Orte, in denen es bislang noch nicht beheimatet ist.

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