Mädchen- und Schulbauprojekt in Afrika: Beueler Wäscherprinzessin kehrt aus Ghana zurück

Mädchen- und Schulbauprojekt in Afrika : Beueler Wäscherprinzessin kehrt aus Ghana zurück

Drei Wochen hat Ariane Clever die Lebensfreude im Sommercamp der Don-Bosco-Brüder in Ghana kennengelernt. Auch das Elend in den Slums, wie es die amtierende Wäscherprinzessin sagt.

Als Schülerin der Bonner Liebfrauenschule war Ariane Clever (26) das fast 5000 Kilometer entfernte westafrikanische Ghana nicht unbekannt. Seit 23 Jahren unterstützt ihre ehemalige Religions- und Physiklehrerin Dorothea Hahn (69) dort Mädchen- und Schulbauprojekte. Kaum ein Schulfest oder eine Veranstaltung des katholischen Mädchengymnasiums, die nicht auch dem Spendensammeln für Ghana diente. Inzwischen konnte Hahn bereits mit mehr als einer Million Euro Projekte in Sunyani und Odumase und einer Reihe von verstreut im Buschland liegenden Dörfern unterstützen.

Ariane Clever, die inzwischen im vierten Semester Lebensmittelchemie studiert und zudem noch als Beuels derzeit amtierende Wäscherprinzessin Ariane I. aktiv ist, nutzte die Semesterferien, um mit Hahn drei Wochen nach Ghana zu fliegen und sich in den Sommercamps der Salisianer Don Boscos für die Kinder der Region zu engagieren (der GA berichtete).

Im Gepäck hatten die beiden Frauen weitere Spendengelder, die über das St. Josef-Pfarrfest sowie das Damenkomitee der Wäscherprinzessin auf direktem Weg zu den Projekten oder Bedürftigen gebracht wurden. „Ich habe in den drei Wochen nicht so viel vom Land sehen können“, sagt Clever, doch was sie direkt bei der Ankunft in Ghanas Hauptstadt Accra wahrnehmen konnte, hat sie trotz einer Vorbereitung auf Afrika erschreckt.

Lebensfreude und Zugewandheit

Die Konfrontation mit der Armut und den Slums in der Großstadt war für sie bewegender als gedacht. „Da gab es Menschen, die nur auf einer Palette lebten“, erinnert sie sich. Auch die achtstündige Busfahrt in die Region von Sunyani war verglichen mit europäischen Verhältnissen eine Tortur. Doch alles schien ihr gut verträglich durch die überall erlebte Lebensfreude und Zugewandtheit der Menschen, die der Weißen und zudem noch hellblonden Bonnerin entgegengebracht wurde.

„Vor allem die Kinder mussten mich alle immer wieder berühren, meine Haut und meine Haare anfassen“, sagt Clever und lacht. Da diese Begegnungen nie aggressiv, sondern immer mit einem Lächeln stattfanden, habe sie sich auch schnell daran gewöhnt und zu keiner Zeit bedroht gefühlt. Meist war sie einfach die „Obruni“, was auf Twi, dem lokalen Dialekt, der neben der Amtssprache Englisch gesprochen wird, soviel wie „Weiße“ heißt. „Das war aber nie rassistisch gemeint“, ergänzt die Afrikareisende schnell.

Sie begann ihre Tage in der Community der Don-Bosco-Brüder meist schon morgens früh kurz nach sechs Uhr mit einer Morgenandacht. Nach einem Frühstück mit viel Kakaobutter und -cremes begann ihr Tag in einem 15 Minuten entfernten Dorf, wo 100 der insgesamt rund 500 Kinder der drei Salisianer-Sommercamps schon auf ihre Coaches und Animateure warteten. Die Arbeit mit kleinen Kindern war Ariane Clever nicht fremd.

Auch in Beuel trainiert sie die Tennis-Kids ihres Vereins. „Es hat mir viel Freude gemacht“, sagt sie. Die Kinder seien alle sehr gut erzogen. Meist durch ältere Geschwisterkinder, die sie überallhin mitnehmen. Außer fröhlichem Lachen sei wenig Geschrei zu hören gewesen, obwohl sie das Land als „sehr laut“ wahrgenommen hat. Überall werde dort palavert und Musik gemacht.

Immer wieder sollte sie zur Freude der Kinder tanzen. „Ich muss in deren Augen sehr unbeholfen ausgesehen haben“, erinnert sich Clever amüsiert und fügt hinzu, dass selbst die kleinsten Kinder sich schon unglaublich gut und rhythmisch bewegen konnten. Beeindruckt hat sie nicht nur die Jugendarbeit der Don-Bosco-Brüder, sondern vor allem auch, was inzwischen alles durch das Bonner Ghana-Projekt entstehen konnte.

Und sie war froh, der zwölfjährigen, nach ihrer ehemaligen Lehrerin benannten, Dorothea mit dem Geld ihres Damenkomitees ein Paar neue Krücken kaufen zu können, die ihr das Leben etwas erleichtern helfen. „Ich war bestimmt nicht das letzte Mal dort“, sagt Clever, die den dreiwöchigen Ausflug in eine fremde Welt für ihre Leben nicht vergessen wird.

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