Siegburgs Bürgermeister gibt sich dem Jecken-Sturm geschlagen

Angesichts der ihn bedrängenden jecken Phalanx musste sich Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn am Samstag geschlagen geben. Damit gehört das Rathaus bis Aschermittwoch den Narren aus der Kreisstadt.

Siegburg. Schmeicheleien, Lieder, Drohungen und zuletzt Appelle ans Mitgefühl. Mit allen Mitteln hat er es versucht - aber vergebens. Angesichts der ihn bedrängenden jecken Phalanx musste sich Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn am Samstag geschlagen geben. Damit gehört das Rathaus bis Aschermittwoch den Narren aus der Kreisstadt.

Es war ein harter Kampf, den sich die von Prinz Wolfgang III. und seiner Siegburgia Marlies I. angeführten Heerscharen und das Team um den Stadtoberen vor dem Stadtmuseum lieferten. Ob Hunnen, Musketiere oder Clowns, ob Blau, Rot, Grün, Schwarz, Gelb oder Lila, die über 500 Mann starke breite Front der Karnevalisten war dem Ruf des Siegburger Karnevalskomitees gefolgt und auf dem Markt aufmarschiert. Die Verlegung der Erstürmung weg vom Nogenter Platz ans einstige Rathaus stellte sich erneut als gute Entscheidung heraus. Zahlreiche Zivilisten fieberten mit.

Dabei erwiesen sich die Kontrahenten als gute Pazifisten: Statt auf Waffengewalt setzten sie auf die Stärke ihrer Stimmen und stellten sich erstmals in der ultimativen Liveshow "Siegburg sucht den Märchenprinz" dem Votum einer Jury und des Publikums. Dessen Daumen gingen hoch, als Siegburgs Kinderprinzenpaar Marcel I. und Amelie I. sein Kinderprinzenlied für die Narren in die Waagschale warf.

"Höchstpunktzahl", waren sich die Juroren, Gastwirt Pero Pervan, TV-Immobilienmaklerin Sandra Owoc und Entertainer Siggi Klein, einig. Siegburgs "Don Corleone" Franz Huhn konterte mit einer taktischen Waffe: Er ließ die Mädchen und Jungen der Alfred-Keller-Grundschule auflaufen, die zum "Fliegerlied" der Rabaue sangen, tanzten, hüpften und alle mitrissen. "1:1" tat Moderator Gerhard Kurz den Spielstand kund. Huhns Vize Martin Rosorius brachte die Siegburger "Pizza Connection" kurzzeitig in Führung: Mit schwarzer Lockenpracht, E-Gitarre und Schottenrock zeigte er mit dem Brings-Hit "So lang mer noch am Lääve sin" viel Bein und ließ die Frauenherzen dahinschmelzen. Keine Chance für des Prinzen Adjutanten Sascha Zittlau, der es mit "Halleluja" von Brings versucht hatte.

"Marmor, Stein und Eisen bricht", schmetterten Prinz und Siegburgia und ernteten Begeisterungsstürme und Zugaberufe. Seine Vize Susanne Haase-Mühlbauer hatte im Duett zwar versucht, zu retten, was nicht zu retten war, aber Franz Huhn fiel bei Publikum und Jury gleichermaßen durch: "Der singt, wie er die Stadt regiert", befand Pervan. Der Stadtchef setzte auf Rückzug und verschanzte sich samt seiner Stellvertreter im Stadtmuseum.

"Ist der jetzt traurig, dass er verloren hat?", fragte ein Mädchen seinen Vater. Dessen Antwort ging im Lärm der jecken Bürgerwehr unter, die das historische Rathaus mit Leitern erklomm und den Bürgermeister unter Konfetti-Beschuss zur Aufgabe zwang. Der signalisierte seine Niederlage mit der weißen Fahne, übergab Stadtschlüssel sowie den leeren Säckel und verabschiedete sich in den Wellnessurlaub mit seiner Frau Conny.