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Ahrweiler: Höhner spielen bei Prunksitzung der Karnevals-Gesellschaft

Prunksitzung der Ahrweiler Karnevals-Gesellschaft : De Höhner machen Träume wahr

Rund 750 Narren haben mit der Ahrweiler Karnevals-Gesellschaft (AKG) eine ausgelassene Prunksitzung gefeiert. Der Schauplatz war das Helmut-Gies-Bürgerzentrum.

Längst ist klar: Karnevals-Prunksitzung muss nicht am Samstagabend sein, das geht auch am Sonntagnachmittag. 750 Gäste im ausverkauften Helmut-Gies-Bürgerzentrum waren lebender Beweis dafür. Schon zum dritten Mal hatte die Ahrweiler Karnevals Gesellschaft (AKG) an einem Sonntagnachmittag zu ihrer wichtigsten Saalveranstaltung gebeten. Klar ist aber auch, dass es Spitzenkräfte aus dem Profikarneval braucht, um die Halle zu füllen. Und die sind nun einmal an Sonntagen nicht ganz so teuer wie zur jecken Prime Time. Und entspannter sind sie auch.

Wie beispielsweise die Kultband De Höhner, die Höhepunkt und Abschluss der Ahrweiler Sitzung bildete und die Träume erfüllte. Auf jeden Fall den Traum des „raderdollen“ Ahrweiler Karnevalsprinzen Mathias I., denn der mischte sich schnell unter das Sextett und durfte ebenso schnell ans Mikrofon, um mitzusingen. Zurück an seinen Platz ging es danach nicht mehr. „Prinz bleib hier, das nächste Lied kennst du auch“, befahl Oberhuhn Henning Krautmacher und machte Mathias damit zum quietschvergnügten Huhn Nummer sieben. „So einen spontanen Prinzen kann sich jeder nur wünschen“, gab es obendrein ein dickes Lob vom Kultsänger.

Als Lästerschwestern ziehen Carolin Groß (rechts) und Theresa Friedrich über das Geschehen in der Kreisstadt her. Foto: Martin Gausmann

Mit Luftflotte, Höhnern und den Lästerschwestern

Von klein auf davon geträumt, die Höhner einmal im Karneval anzusagen, hatte Carolin Groß. Auch ihr Traum erfüllte sich, denn die Tochter von Sitzungspräsident Udo Groß wirkte als Co-Moderatorin an diesem Nachmittag mit und machte ihre Sache prima. Krautmacher und seiner Band gefiel das alles, er ließ sich gleich drei Zugaben von der Präsidentin in spe entlocken. „Kommt keiner mehr nach uns? Das ist gut, wir haben nämlich auch jetzt keine weitere Verpflichtung“, weckte der Höhner-Sänger Hoffnungen auf einen langen Konzertabend, der dann aber doch nach Gassenhauern, wie „Hey Kölle“, „Viva Colonia“ und „Ich bin ene Räuber“ irgendwann einmal endete.

Da waren Publikum und AKG auch schon sechs Stunden lang gefordert. Bei Stimme waren sie immer noch, obwohl sie gerade nicht nur mit den Höhnern, sondern direkt davor auch mit den Klüngelköpp singen durften.„Bella ciao“, „Jedäuf met 4711“, „Wenn am Himmel die Stääne danze“, auch die sechs Klüngelköpp mit Schlappkappen weisen ein großes Repertoire an närrischen Hits auf. Alle mit Mitsingpotential.

Einzug der Ahrweiler Karnevalisten in das mit 750 Jecken besetzte Helmut-Gies-Bürgerzentrum. Foto: Martin Gausmann

Textsicher sind sie in Ahrweiler sowieso. Das, was AKG-Chef Udo Willerscheid nach den Vorstellabenden in der Domstadt verpflichtet hatte, war aus der ersten Garde kölscher Kräfte. Bei den Tänzen des Corps der Karnevalsgesellschaft „Seiner Tollität Kölner Luftflotte“ schien die Bühne zu klein und die Decke zu niedrig. Das mutete akrobatisch an und erfreute das Auge – Tanzsport erster Klasse. Manchmal blieb einem beim Zuschauen allerdings auch fast das Herz stehen.

Auf sich gestellt war dagegen Martin Schopps, Köln beliebtester Lehrer und einer der besten Redner, der gerade dann zu großer Form aufläuft, wenn er von seinen Schülern spricht, deren Rechtschreibung auf dem Smartphone als ausreichende Verschlüsselung diene. „Spätzünder“ Frank Friederichs hatte schnell Gemeinsamkeiten zwischen Ahrweiler und Köln erkannt: „Wir haben Düsseldorf, ihr habt Bad Neuenahr.“ Der Kölner berichtete von zu Hause, in erster Linie von den drei Kindern. Alle in der Pubertät. „Da weißt du, warum es in der Natur Tiere gibt, die ihren Nachwuchs fressen.“ Im tiefsten Kölsch beschrieb er seinen Ältesten: „Pänz sinn wie Rievkooche, der iertste jitt nie jätt.“

Im Bürgerzentrum gab es aber nicht nur Profi-Karneval. Das, was die AKG auf die Bühne zu stellen wusste, brauchte sich nicht zu verstecken. Der große Aufmarsch der närrischen rot-weißen und weiß-roten Familie zum Sitzungsstart zeigte: Die AKG wird immer größer. Vor allem die Stadtgarde ist auf rund drei Dutzend Gardisten angewachsen, die Gardetanz mit Zeitlupen-Stippeföttche und akrobatische Einlagen des Tanzcorps präsentierten. Fünkchen und Funken durften allesamt die Bühne rocken, wobei die Minis die erste Rakete des Tages zündeten.

Und die Lästerschwestern Carolin Groß und Theresa Friedrich zogen wieder alle Register, berichteten über Prinz Mathias, der in seinen Geschäften die Hausfrauen heiß macht, über den Ahrhöde-Fahrdienst „mit dem Bestatter zur Seniorenfeier“ und über das der Burgundia angedichtete Kind, bloß weil die mit „Tochter Zion“ in die Stadt einzog.

In Neuenahr gibt es keinen Dreck-weg-Tag, weil alles Herumliegende zu Uferlichter-Skulpturen verarbeitet wird und bei der kommenden Eisbahn auf dem Ahrweiler Markt wird der Verwaltungsrat der Bürgerschützen „Schwanensee“ aufführen und sich die Stadtspitze Guido Orthen, Peter Diewald und Christian Senk sich in der Disziplin „Die Kuh vom Eis schieben“ üben. Und auch musikalisch kann man im Ahrtal mithalten, das bewiesen „Jeckediz“, die mitsamt Ahrweiler Kinderchor von Ewigkeiten, von Mariechen und von Wolkenplätzen sangen und damit erfolgreich die Mitsingbereitschaft der Narren testeten.