Auftakt des Bonner Karnevals: So feiert das Alte Beueler Damenkomitee Weiberfastnacht

Auftakt des Bonner Karnevals : So feiert das Alte Beueler Damenkomitee Weiberfastnacht

Das Alte Beueler Damenkomitee gehört zum Wieverfastelovend wie Kamelle und Bützchen. Wir haben die Damen an ihrem höchsten Feiertag bei ihrer Tour begleitet.

Ein Alaaf auf den Lippen, mit einem Bützchen für jede und Glitzer im Gesicht, treffen kurz vor acht Uhr die ersten Damen an der Erwin-Kranz-Halle in Beuel ein. Jedes Jahr kommt das Alte Beueler Damenkomitee von 1824 – ältestes und größtes Damenkomitee Beuels – hier an Weiberfastnacht zum traditionellen Auftaktfrühstück zusammen. Mancher Mann stöhnt schon vor dem ersten Glas Sekt. Ob das wohl so richtig sei, was er hier mache, fragt sich einer von ihnen – und nimmt weiter Arbeitsanweisungen entgegen.

An Wieverfastelovend haben die Frauen das Sagen. Bei Kaffee, Brötchen, Gürkchen und Sekt wird die Vorfreude auf ihren Tag voll ausgekostet. „Der Wieverfastelovend, das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt die Ehrenobermöhn Evi Zwiebler. Seit 50 Jahren ist sie Mitglied des Komitees. Das Alte Beueler Damenkomitee begründete die Weiberfastnacht in Beuel und stellt darum auch alljährlich die höchste Frau der Feierlichkeiten – die Obermöhn.

Angereist sind auch 20 Damen und Herren aus Mirecourt, der französischen Partnerstadt von Beuel. „3 x Alaaf un Bonjour, Beuel is jeck met Mirecourt“, lautet das Motto der diesjährigen Weiberfastnacht. Ihre Kostümierung hat das Damenkomitee passend dazu in rot-weiß-blau gehalten. Mützen mit Federrand in den Beueler Farben gelb und blau und aufwendige Reifröcke in den französischen Farben sind das Ergebnis monatelanger Näharbeit. „Auf einen wunderschönen Zoch und auf den Wieverfastelovend.“, ruft Evi Zwiebler ihren Damen zu und gibt damit den Startschuss zum Aufbruch. Alle steigen in die Reifröcke und ziehen nochmal die Ringelstrümpfe zurecht.

Es hagelt Bützchen

Mit dabei ist natürlich auch die letzte Wäscherprinzessin aus den Reihen des Komitees. In der Session 2017/2018 war Franziska Sprenger die dritte amtierende Prinzessin in Folge aus dem Damenkomitee. Sie ist seit Kindertagen aktive Karnevalistin: „Wenn man so verwurzelt ist im Brauchtum, dann ist das Amt eine Ehre. Ich habe das gelebt und jede Sekunde genossen“, erzählt sie über ihre Amtszeit.

Nochmal eine Prise Feenstaub – Glitzerspray – für jede und mit Kind und Kegel, Karnevalsmusik und Sekt in der Hand ziehen alle los. Am Zoch angekommen, hagelt es Bützchen von allen Seiten für „das schönste Komitee der Wieverfastnacht“, wie die Bonner Stadtsoldaten rufen. Inzwischen haben die Karnevalisten die Straße komplett erobert. „Frau Obermöhn, schön sie hier zu sehen“, begrüßen die Damen ihre Obermöhn Ina Harder. Seit acht Jahren hat sie das höchste Amt des Wieverfastelovend inne. „Man muss das leben“, sagt sie. „Nach dem Karneval ist vor dem Karneval. Wir arbeiten das ganze Jahr an den Kostümen. Um diese Gemeinschaft geht es bei der Weiberfastnacht, egal, wie alt man ist“, so Harder.

Im Zoch mit Kamellekörbchen unterwegs

Das jüngste Mitglied des Alten Beueler Damenkomitees ist gerade mal zwölf Jahre alt. Angesteckt von der Mutter, war Amelie Probst eines der ersten Mitglieder im Möhnchen Club. Dort wird die jüngste Generation an das Brauchtum herangeführt. Hannelore Kaltmayer ist mit 79 Jahren eines der ältesten Mitglieder. Beim Zoch hat sie auch schon Schnee und Regen erlebt: „Aber bevor es richtig losgeht, hat es noch immer aufgeklart. Dat is Beuel“, sagt sie.

Mit Kamellekörbchen in der Hand geht es dann in die Aufstellung. Mit der Nummer 54 laufen die Damen im Zoch hinter den Senatoren der Bonner Stadtsoldaten – angeführt von Ina Harder, die im eigenen Wagen mitfährt. Als Meer in blau-weiß-rot reihen sich die Damen ein und verteilen Luftküsse und Kamelle. „Für die Ewischkeit“, schallt es aus den Boxen.

Vor dem Rathaus stoppt der Zug und die Möhnen tanzen und singen im Konfettiregen. Ashok Sridharan begrüßt das Komitee von der Tribüne. Nun sei Obermöhn Ina Harder eingetroffen, aber die Wäscherprinzessin verspäte sich wohl dieses Jahr, meint der Oberbürgermeister. Die oberste Frau in der Weiberfastnacht und der oberste Herr in Bonn kabbeln sich gemäß der Tradition um die Hoheit im Rathaus. Schließlich erbeutet die neue Wäscherprinzessin Ariane I. mit ihrem Hofstaat den Schlüssel zum Rathaus und tritt auf den Balkon. „Wenn in Beuel de Glocke danze, dann weeß isch, dat isch doheim bin, he am Ring“, singen alle zusammen eine Hymne auf Beuel.

Der höchste Feiertag des Alten Beueler Damenkomitees endet für die Truppe im Pfarrzentrum Pützchen. Bei der Sitzung des Damenkomitees Fidele Reisetanten schunkeln und singen sie mit Wievern aus ganz Bonn. „Glöck op Jöck“, ist das Motto und die Fidelen Reisetanten entsprechend als Schornsteinfegerinnen unterwegs. Das Glöck – da sind sich alle einig – liegt an Wieverfastnacht in der gelebten Gemeinschaft und der Freude an der Tradition.