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Weiberfastnachtszug in Beuel: Janz Beuel steht Kopp

Vor dem Rathaussturm : Janz Beuel steht Kopp beim Weiberfastnachtszug

2044 Teilnehmer machen den Beueler Karnevalszug an Weiberfastnacht zu einem besonderen Erlebnis. Hexen verscheuchten dabei am Donnerstagmorgen den Regen.

Schrecksekunden kurz vor zehn: Gerade stellten sich Kapellen, Fußgruppen und Mottowagen an der Halle Beuel auf, da fielen ein paar Regentropfen.

„Wäre doch gelacht, wenn wir die nicht wegzaubern könnten“, meinten die Hexen des Sankt-Adelheid-Gymnasiums, hoben blinzelnd ihren magischen Zauberstab in die Höhe und murmelten eine Beschwörungsformel. Hex, hex. Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten: Als sich der Prunkwagen von Wäscherprinzessin Romina I. in Bewegung setzte, trübte nichts die tolle Stimmung. Mit 2044 Teilnehmern, 40 Fußgruppen, 31 Musikkapellen, 21 Fahrzeugen, 29 Zugmaschinen sowie acht Pferden startete der Straßenkarneval in Beuel eindrucksvoll in die heiße Phase der Session. Beethoven war im Jubiläumsjahr natürlich allgegenwärtig.

Weiberfastnacht 2020: Rathaussturm in Beuel

Ob als Galionsfigur am Prunkwagen der Sparkasse, beim Alten Beueler Damenkomitee 1824 oder beim Damenkomitee Närrische Schifferinnen, dem Damenkomitee in der TSV Bonn rrh. oder dem Wagen der Augenklinik Hochkreuz: An Bonns größtem Sohn kam niemand vorbei. War Beethoven denn überhaupt ein Karnevalsjeck? „Aber natürlich“, ist sich Obermöhn Ina Harder sicher. „Er hat Karneval gefeiert, und die Weiber mussten seine Wäsche waschen“, versicherte sie.

Dennoch hatte sich das Alte Damenkomitee als Göttermöhne verkleidet. Notenschlüssel auf dem Kopf, einen Rock als Klaviatur, einen schwarzen Frack und einen roten Schal – fertig war ihre Beethoven-Interpretation. Das Alte Beueler Damenkomitee begleitete mit Romina I. (Markmann) bereits die 20. Wäscherprinzessin, die seit 1958 aus den eigenen Reihen hervorgegangen ist. Der prächtige Prunkwagen der Tollität war natürlich der Höhepunkt. Mit vollen Händen warf Romina Kamelle, Strüßjer, Schokolade und Pralinen und stimmte sich damit auf den Rathaussturm ein.

Musik spielte in diesem Jahr eine besonders große Rolle. Während lokale Musikvereine Karnevalsklassiker zum Mitsingen und Schunkeln spielten, entführten Sambatruppen an die Copacabana. So wie das Symphonische Blasorchester des Kardinal-Frings-Gymnasiums (Motto: „Make Samba not war“) oder die Truppe Samba Batucada Los Beuelos. Mit einer besonders großen Gruppe waren Prinzengarde, Damenkomitee sowie Bürgerverein Vilich-Müldorf mit dem Kinderprinzenpaar Corinna I. und Luca II. dabei.

Auch die Kitas St. Pius und St. Paulus bereiteten Kinderwäscherprinzessin Maximilia I. und Kinderwäscherin Emma einen grandiosen Hofstaat. Mehr als 140 große und kleine Schlümpfe, darunter Kindergartenkinder, Eltern und Erzieher, begleiteten die kleinen Regenten. „Fröhlich, frech mit Zauberkraft“ haben in den vergangenen 100 Jahren Schülerinnen des Sankt-Adelheid-Gymnasiums offenbar mit Zauberei ihre Schulzeit überstanden. Das Team des St. Josef-Hospitals war unter dem Titel „De Jecke Juppes“ als Wölkchen verkleidet unterwegs. Politisch wurde die Beueler SPD: Kostümiert als Bauarbeiter, gingen die Genossen angesichts des Dilemmas um die Sanierung der Beethovenhalle „durch die Decke“.

Ein spektakuläres Kostüm trugen die Mitglieder des 1. Beueler Damenkomitee-Reitercorps St. Josef: „Manege frei“ hieß es bei ihrem Zirkus. Der kam sogar ganz ohne Tiernummern aus, weil ihre Pferde eigentlich Fahrräder waren. Die Schötzefraue vom Hellije Pötz gingen als bunte Schmetterlinge mit. Eine Schiffsreise unternahmen die R(h)einfunken Bonn, die sogar Möwen an Bord hatten.

Noch bevor sich der Beueler Zug in Bewegung setzte, sorgten Kommentatoren und Musikgruppen an verschiedenen Stellen für Stimmung und Unterhaltung. „Jetz donn me uns wärm schunkele“, heizten beispielswiese die Musiker von Aach un Kraach vor der St.-Josef-Kirche den Zuschauern ein. Und die ließen sich nicht lange bitten und tanzten sich schon einmal warm, bevor es losging. Den besten Blick aufs bunte Treiben hatten die Männer der Bonner Feuerwehr. Sie hatten ihren Kranwagen als Straßensperre an der Ecke Hermann-/Johann-Linkstraße geparkt, kletterten auf den Aufbau ihres Fahrzeugs und hatten von dort den wohl besten Ausblick auf das jecke Geschehen.

Am Ende hielt auch der Zauberspruch der SAG-Hexen: Erst als Romina mit ihren Wäscherinnen das Rathaus erstürmt hatte, fielen wieder Regentropfen. Aber nur ein paar.