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Rathaussturm: So schön war die Weiberfastnacht in Beuel

Rathaussturm : So schön war die Weiberfastnacht in Beuel

In Bonn-Beuel haben die Wiever an Weiberfastnacht traditionell das Rathaus gestürmt und übernommen. Wir haben mit kamelle.de live aus Beuel berichtet. So lief das jecke Treiben vor Ort.

Eine Gedenkminute unterbricht am Weiberfastnachtsmorgen das fröhliche Treiben auf dem Platz vor dem Rathaus in Beuel. Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der später mit Bezirksbürgermeister Guido Déus das Rathaus vor Wäscherprinzessin Romina I. (Markmann) und ihrem Gefolge (wie immer erfolglos) verteidigen wird, erinnert bei seiner Begrüßung auf dem Rathausbalkon an das Gewaltverbrechen in Hanau, bei dem elf Menschen ermordet wurden. Und die rund 7500 Jecken auf dem Platz verstummen sofort. Eine Minute lang ist es totenstill. Freud und Leid, wie nah ist das beisammen. Doch dann kehrt die rheinische Frohnatur nach Beuel zurück.

Guido Déus tritt neben den Oberbürgermeister. Als „armer Déus“, wie er grinsend in die Menge ruft.  Prompt erklingt aus den Musikboxen der berühmte Falco-Song „Amadeus“, und aus Tausenden Kehlen ertönt es etwas abgewandelt „armer Déus, armer Déus“.  Und mitten unter dem närrischen Volk steht eine Beethoven-Statue. Schließlich feiert Bonn dieses Jahr den 250. Geburtstag des größten Sohns der Stadt.  „Beuele Wieve klassich jeck, mit Beethoven he an jeder eck“ lautet denn auch dieses Jahr das Beueler Sessionsmotto.

OB Sridharan gibt sich ziemlich siegessicher: „Hier in das Beueler Rathaus kommt keiner rein, auch nicht der Herr Beethoven. Der zieht mit der Wäscherprinzessin sowieso nach Düsseldorf weiter.“ Denkste.   Darüber können Silvia Kluth und Martina Déus nur lachen. Die beiden Frauen moderieren wie schon in den Vorjahren in bewährter Manier vom Platz aus das Geschehen und machen dem OB und Bezirksbürgermeister schnell klar, auch dieses Jahr werden die Beueler Wiever den Männern zeigen, wo es langgeht.

Weiberfastnacht 2020: Rathaussturm in Beuel

Nicht gerechnet haben sie allerdings mit Comedian Michael Müller, der als Vermieter Beethovens über die Bühne stolziert. „Der schuldet mir noch jede Menge Geld für die Miete“, behauptet er. Auch Sridharan fällt ein, ja, von Beethoven sind noch einige Steuerrechnungen offen. Flankiert werden er und Déus von den männlichen Mitgliedern der Bezirksvertretung Beuel. Auch sie haben offenbar noch die eine oder andere Rechnung mit dem Komponisten offen. Das wird nicht leicht für Romina I. und ihr Gefolge. Zumal der OB den 13. Stern besitzt, den die Wäscherprinzessin noch braucht, um das Rathaus stürmen zu können. Dazu hält Déus den Rathausschlüssel fest umklammert.  „Hier kommt keiner rein“, ruft er nochmals in die Menge.

Doch es kommt, wie es kommen muss: Unterstützt von den Wievern des Alten Beueler Damenkomitees – alle als Beethoven verkleidet –  mit Obermöhn Ina Harder an der Spitze lockt die Wäscherprinzessin den OB und seine Männer in die Falle, schwebt in einem von einem Kran gesteuerten Korb über die Köpfe aller hinweg auf den Rathausbalkon und ergattert Stern und Schlüssel. Und Ludwig van Beethoven (Bezirksverwaltungsstellenleiter Christian Siegberg), der plötzlich quicklebendig auf dem Balkon erscheint, die Ode an die Freude anstimmt und dirigiert, entpuppt sich als wahrer Frauenfreund: Er folgt nicht der Aufforderung des OB, die Wiever festzunehmen und ihnen den Schlüssel zu entreißen.

Derweil ist die Stimmung unter den Jecken auf dem Platz auf dem Höhepunkt. Wie bei sechs munteren Damen aus Brühl, die sich schon lange vor Beginn des Spektakels direkt an den Absperrgittern vor der Bühne am Rathaus postiert haben. Die Freundinnen – alle in bunten Tüllkostümen – warten schon seit kurz vor neun Uhr auf den Rathaussturm. „Wir wollen seit Jahren einmal Weiberfastnacht in Beuel erleben. Diesmal haben wir es endlich geschafft“, freut sich Maria Vritt, die nicht nur für reichlich Proviant für den Tag gesorgt, sondern auch die Kostüme genäht hat. „Und wenn wir schon mal hier sind, dann wollen wir natürlich auch die besten Plätze haben.“

Und das Warten hatte sich für sie gelohnt. „Die Musik, die Stimmung, die Atmosphäre – es ist einfach toll. Ein einmaliges Erlebnis. Ich glaube, dass wir nächstes Jahr wiederkommen“, sind die Frauen sich  am Ende einig. Auch Maike (21) und Laura (18) feiern zum ersten Mal Weiberfastnacht in Beuel. Sie haben von Bekannten schon viel über die „super Stimmung hier“ gehört. „Und es trifft genau zu“, lachen die jungen Frauen. Stammgäste sind Ute (55) und Sabine (53): Sie kommen seit Jahren und genießen  den Rathaussturm in vollen Zügen.