Porträt der Godesberger Regentin: Die Godesia trägt lieber Tüll als Reifrock

Porträt der Godesberger Regentin : Die Godesia trägt lieber Tüll als Reifrock

Dorothée Ficks liebt den Karneval über alles. Ihre Kostüme näht sie selbst. Seit 25 Jahren engagiert die am 11.11. geborene Godesia sich bei Blau Gold Muffendorf.

An der Paracelsusstraße ist der Karneval zu Hause – in zwei Zimmern, auf jecken 59 Quadratmetern. Dorothée Ficks weiß derzeit kaum wohin mit all ihren Sachen: Ornat und Unterrock hängen im Türrahmen, Strüßjer stehen in Vasen auf dem Boden, Tüten voller Süßigkeiten neben dem Fernseher. Wer dann einen Blick auf all die „Karneval der Stars“-Ausgaben im CD-Regal wirft, merkt sofort: Die am 11.11. geborene Godesia ist mit ganzem Herzen in der Session unterwegs – und sorgt hier und da für manche Überraschung.

„Ein Zimmer mehr wäre echt schon wünschenswert“, sagt die 53-Jährige. „Ich würde gern die Nähmaschine oder das Bügelbrett mal stehen lassen.“ Im dritten Raum möchte sie dann auch all ihre selbst genähten Karnevalskostüme in einen Schrank hängen. „Das ist jetzt alles in Plastikkisten verpackt im Keller.“ Das Nähen hatte Ficks schon in der Schule gelernt, später dann den einen oder anderen Lehrgang belegt. „Zurzeit bin ich auf Narrenkappen fixiert“, sagt sie.

Seit 25 Jahren bei Blau Gold Muffendorf

Wovon sicherlich auch ihr langjähriger Partner Frank Stockhausen profitiert. Dass Nadel und Faden derzeit ungenutzt in der Schublade liegen, ist dem Prinzessinnenamt geschuldet. Wobei Dorothée Ficks mit diesem Titel so gar nichts anfangen kann. Sie verweigert den Reifrock, trägt lieber Tüll. Sie will einfach nur die Godesia sein. Auf allen gut 200 Terminen, die in den Höhepunkt – den Umzug durch Bad Godesberg – am Karnevalssonntag münden. „Es ist super. Das ist schon echt ein Traum“, sagt sie.

Als Närrin durch und durch – seit 25 Jahren feiert und engagiert sich Ficks schon in den Reihen von Blau Gold Muffendorf – hat sie schon fast alles gesehen. Aber nur fast: Denn als Godesia schnuppere sie nun in viele Dinge hinein, „die man sonst als normaler Karnevalist nicht mitbekommt“. So erinnert sie sich gern an den Sternmarsch der Bonner Ehrengarde, wo unzählige Kapellen auf dem Marktplatz spielten und sie mit dem bönnschen Prinzenpaar Seit' an Seit' auf der Bühne stand. Es liegt ihr fern, zwischen den Stadtbezirken Gräben zu ziehen.

Als Herausforderung sieht die Godesia es an, den Senioren in Altenheimen eine Freude zu machen, vielleicht mit einem Liedchen oder einer Geschichte aus alten Zeiten.

Auf der Schlagerparty zum Amt gekommen

Für die ausgebildete Erzieherin war der Besuch der Kita St. Quirinus, die sie leitet, auch etwas Besonderes. In Dottendorf ist sie mit ihrem Team für 65 Pänz zwischen zwei und sechs Jahren verantwortlich. Selbst hat sie keine Kinder, „ich bin aber mit Leidenschaft Tante“, sagt sie. In der Session ganz besonders: Denn da geht Nichte Elena als Pagin mit. Ihre Mutter, Dorothées jüngere Schwester Désirée Spindler, begleitet als Adjutantin.

An die närrische Macht ist die gebürtige Muffendorferin über die Schlagerparty von Blau Gold gerutscht. Thomas Wedde erzählte ihr da, Prinz werden zu wollen. Leichtfertig entgegnete sie: „Och, das wollte ich vor 30 Jahren auch schon mal werden.“ Er fragte nur „echt?“ und machte ihr spontan den majestätischen Antrag. Noch abwartend ging es mit pochendem Herzen in eine schlaflose Nacht, bis ihr Frank meinte: „Du wolltest es doch schon immer machen.“ Gesagt, getan.

Moderne Kunst ist ihr Ding

Jenseits der jecken Zeit verreisen die beiden gern. „Ich war schon am Grab von Elvis in Memphis“, sagt die Godesia, die neben der Musik des King of Rock' n' Roll auch Schlager und natürlich Karnevalsmusik liebt. Sie verrät lachend ein kleines Geheimnis: „Bis vor acht Jahren habe ich noch Briefmarken gesammelt.“ Moderne Kunst interessiert sie heute mehr, wie etwa die kleinen 3D-Bilder von James Rizzi. Neben drei von ihnen hängt an der Wand der Blick aufs Siebengebirge des 2018 gestorbenen Muffendorfer Künstlers Heinz Feuerborn. Er war auch ihr Leichtathletiktrainer, und die aus der Lindenstraße bekannte Liz Baffoe übte damals mit in der Gruppe.

Dorothée Ficks erlebt bei ihren Auftritten, dass sich alle „unglaublich viel Mühe machen“. Dabei wolle sie gar nicht so sehr im Vordergrund stehen. Neben dieser Bescheidenheit hat sie die Stärke, Schwächen zugeben zu können: „Wenn ich mich streite, dann gehen mir manchmal die Argumente aus, zumal ich sie vorher wusste.“

Bei Kanzlerin Angela Merkel war das nicht der Fall: Der schrieb sie einen Brief, weil sie so gern bei ihrem Kanzlerempfang in Berlin dabei gewesen wäre. Leider verpuffte ihr Trumpf, dass die Regierungschefin früher doch auch schon in Muffendorf gewohnt habe. Darüber ärgern kann sich Ficks nicht, sie sei dafür heute zu gelassen. Überhaupt steht jetzt Wichtigeres an: An den fünf tollen Tagen ganz für die Jodesberger Jecke do ze sinn.