Prunksitzung in Oberwinter

Prunksitzung in Oberwinter : 400 Narren feiern auf Prunksitzung der KG Grün-Weiß

Die vereinten Tollitäten aus Oberwinter, Kripp und Remagen und mehr als 400 närrische Untertanen hatten großen Spaß im lange ausverkauften Oberwinterer Glaspalast. Zur Prunksitzung eingeladen hatte die KG Grün-Weiß.

„Et is net schön“, warnte schon der Wölle Prinz Micha I. im Beisein von „seiner“ Prinzessin Patty I. „Et wird jetzt fürchterlich“, stellte sogar sein Hofmarschall Jürgen Heno bei der Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft (KG) Grün-Weiß Oberwinter in Aussicht und fügte an: „Aber ihr habt Eintritt bezahlt und könnt ja mitmachen.“

Allen Unkenrufen und Drohungen zum Trotz hatten aber sowohl die vereinten Tollitäten aus Oberwinter, Kripp und Remagen auf der Bühne als auch die mehr als 400 Narren im wieder einmal lange ausverkauften Oberwinterer Glaspalast ihren Spaß am gemeinsamen Lied, das die närrischen Regenten dann zum Besten gaben. Mancher stimmte gar schnell ein in ihre Version von „Dat Wasser vun Kölle“: „Oh lieber Jott, lass uns fiere, denn mir Jecke sin jot. Mit üch ze fiere, danze, laache, de janze Daach nur Blödsinn mache. Mir Jecke vom Rhing, mir sin jot.“

Dem Motto „Ohne Proben ganz nach oben“ hat sich seit mehr als 30 Jahren auch das Remagener Panikorchester verschrieben. Bei ihrer Abschiedstour ließen es die Musiker um Dirigent Tommy Pieper in Wölle gewohnt lautstark nochmal richtig krachen und servierten „ein musikalisches Potpourri von unseren Anfängen bis in die Neuzeit“.

Was zu schunkeln war mit „Du bes die Stadt“ genauso dabei wie „Humba Täterä“, „Sweet Caroline“ und „Bella Ciao“, und nachdem es „Bye, bye, my love“ geheißen hatte, standen fast alle im Saal und zündeten die erste Rakete. Wenn man weiß, wie schnelllebig das Musikgeschäft ist, dann weiß man, was diese Gruppe geleistet hat“, würdigte Sitzungspräsident Ralf Otto das Ensemble. Das Programm, für das er verantwortlich zeichnet, ließ aber keine Zeit für Wehmut. Flott ging es weiter mit der Showtanzgruppe der Rot-Weißen Funken Unkelbach. In nichts nach standen ihnen die Hafengarde Oberwinter, das Tanzcorps Seiner Tollität Luftflotte Köln und das Tanzcorps Kölner Rheinveilchen. Fast ein bisschen überrascht wirkte bei seinem Vortrag über Weihnachten mit der Schwiegermutter, frühere Baderituale und Begegnungen auf dem Friedhof Thomas Cüpper. Als „Et Klimpermännche“ vergaß er fast zu klimpern, sprich auf seiner Quetsch zu spielen, angesichts eines Publikums, dem er angetan bescheinigte: „Sie hören ja richtig zu. Das ist man als leiser Künstler ja gar nicht mehr gewöhnt.“ Gesungen hat er trotzdem noch: „Heidewitzka Herr Kapitän“, „Ein Mal am Rhein“ und mehr. Ganz Ohr waren die Jecken auch beim Auftritt von Joachim Jung, der als „Lieselotte Lotterlappen“ begeisterte.

Schon bevor er respektive „sie“ auf der Bühne ankam, hatte er den Kellner und so manchen Zuhörer ins Visier genommen und bot Gesangseinlagen genauso wie ein Trompetensolo. Ganz Ohr waren die Jecken auch bei Ingrid Kühne alias „De Frau Kühne“, die wie Jung Premiere in der Oberwinterer Bütt feierte. Anders Bauchredner Klaus Rupprecht und sein Affe Willi, denn diese sind schon „alte Hasen“ im Hafenort: Zum 20. Mal in Folge begrüßte Ralf Otto das Duo in Wölle und überraschte sie mit einer Torte mit ihrem Konterfei. Affe Willi ist bereits vor Jahren Ehrenmitglied in der KG geworden und war so frech wie eh und je.

Doch nicht nur zuhören konnten und wollten die Jecken im Glaspalast. Genauso schnell waren sie auf den Stühlen, wenn es angebracht war. Etwa zu den Songs von Jeckediz, die ebenfalls erstmals in Oberwinter dabei waren, und nicht erst „Alles is hück am danze“ spielen mussten, um die Menge auf Temperatur zu bekommen. Für ordentlich Dezibel sorgte auch die Brass- und Performanceband Druckluft. Und mit den Räubern ging abschließend nochmal richtig die Post ab: „Mir sin alles usser normal, wat andere denke ess uns ejal“, hieß es da, und ein anderer Hit der kölschen Mundart-Band fasste zusammen, was viele am Ende der mehr als siebenstündigen Sitzung bilanzierten: „Wunderbar“. Drei Zugaben waren drin. Und die ersten Jecken haben sich bereits die Karten für die Prunksitzung 2021 gesichert, für die Ralf Otto unter anderem die Bläck Fööss, Wicky Junggeburth, Martin Schopps und Volker Weininger alias „De Sitzungspräsident“ ankündigte.