Rathaussturm in Unkel: Jecke versprechen Gerhard Hausen einen schönen grünen Rasen

Rathaussturm in Unkel : Jecke versprechen Gerhard Hausen einen schönen grünen Rasen

Die verschlafenen Unkeler Amtsstubenhocker sind am Sonntagvormittag aufgewacht, als die Karnevalsgesellschaft um Manfred Himmelbach vor dem Schraatetempel Stellung bezog.

„Brüder und Schwestern zur Sonne, zur Freude! Herein mit euch, dass Ihr euch bloß nicht ziert . . . !“ Ohne nennenswerte Gegenwehr übergab Bürgermeister Gerhard Hausen am Sonntag den Unkeler Stadtschlüssel an Prinzessin Constanze I. (Ottersbach). Schon lange bevor deren Heerscharen nach der Kölschen Mess in Sankt Pantaleon vor dem Schraatetempel Stellung beizogen hatten, hatte Hausen gestanden: „Weder bin ich taub noch blind, habe aber ein Patenkind, das dieses Jahr Prinzessin ist. So wird die weiße Fahn' gehisst. Constanze ist mir lieb und teuer. Deshalb gibt's heut' kein Gegenfeuer!“ Das hielt Hausen nicht ab, kurz danach die KG um Präsident Manfred Himmelbach zu verhöhnen: „Das ist ja kläglich, was Ihr da auf der Straße aufgefahren habt!“

Im Schraatesaal habe er dagegen alles aufgefahren, was Rang und Namen habe, log er das Blaue vom Himmel. Zwar war VG-Chef Karsten Fehr ins Rathaus gekommen ebenso wie Archivar Winfried Meitzner als Stadtindianer, von Hausens Beigeordneten war aber nichts zu sehen. Trotzdem prahlte dieser: „Wie einst John Wayne in Alamo, kämpf' ich für Unkel treu und froh. Wie Robin Hood im Schörwutt-Wald zeig ich Mut voll Wohlgestalt!“ Ohne die Spur einer Chance zur direkten Erwiderung mussten Constanze und ihre Pagen Saskia und Paula sowie Himmelbach die Strünzer-Tiraden über sich ergehen lassen.

Dafür rückten die Jecken mit Gießkannen, Spaten und Säwagen an und legten vor der Rathaustreppe „Rollrasen“ aus. „In Unkel wird gemunkelt, geredet und gehetzt an allen Ecken. Schaut euch mal den Rasen am Sportplatz an – voller brauner Flecken“, so der KG-Chef. Der neue Hybrid-Rasen habe Löcher und sei an vielen Stellen braun, monierte er. „Vielleicht wollte man im Stadtrat keine entsprechenden Beschlüsse mehr fassen, denn keiner von denen will Grün in Unkel groß werden lassen“, mutmaßte Himmelbach, bevor er weiter über die verschlafenen Amtsstubenhocker herzog.

„Lieber Gerhard, hör auf zu schwätzen und häng endlich die weiße Fahne raus. Viele Karnevalisten sitzen eh bald in diesem ehrenwerten Haus“, forderte er für Constanze I. den Schlüssel. Dafür werde die KG für einen grünen Rasen Sorge tragen. „Unser Angebot steht, wir sind bereit, das versprechen dir. Aber lass uns jetzt endlich rein und öffne die Tür“, forderte er. Prompt erschien Hausen, ein wiesses Spitzenbötzje schwingend, und übergab der Tollität den Schlüssel, so dass die Narren umgehend den Schraatesaal enterten.