Rathaussturm in Linz: Ruud un' Wiess von Kopf bis Fuß

Rathaussturm in Linz : Ruud un' Wiess von Kopf bis Fuß

Prinz Baffy I. und sein Gefolge erobern ohne Kampfgetümmel, dafür mit Liebe und dem Stippeföttches-Danz das Linzer Rathaus.

Erstmals ohne vorheriges Kampfgetümmel, stattdessen mit einer liebevollen Umarmung eroberte ein Prinz von Linz das ehrwürdige Rathaus der bunten Stadt am Rhein. „Wir brauchen nicht zu kämpfen! Uns eint die Liebe zum Fastelovend und zur Musik. Das ist stärker als jede Kabüs oder jeder Zachabel!“ Mit dieser Ansprache setzte Baffy I. „vum Stippeföttche-Corps“ aus dem Hause Baars Stadtbürgermeister Hans-Georg Faust umgehend schachmatt.

Vor allem die 85-jährigen Kääls von Kommandant Markus Paffhausen waren heilfroh, dass sie als Stadtsoldaten nicht versuchen mussten, die 14. Tollität aus ihren Reihen vom Rathaussturm abzuhalten. Im Gegenteil: Strahlend bildeten sie ein breites Spalier, durch das das Linzer Dreigestirn zu dem wehrlosen Bürgermeister vordrang. Widerstandslos händigte Hausen Baffy den Schlüssel von Linz aus, der ihn jubelnd in die Höhe reckte. „Ab heute regieren wir die Stadt“, triumphierte er und bezog umgehend in den heiligen Hallen Quartier.

Nichts hatte gut 30 Minuten zuvor auf einen so friedvollen Verlauf hingedeutet. Als der Musikzug kurz vor 12 Uhr die Stadtsoldaten zur Verteidigung auf den Marktplatz führte, zogen die übrigen Corps unter martialischen Klängen die Rheinstraße zum Burgplatz hinab, um den Prinzen mit seiner Entourage abzuholen. Unter Trommelklängen und Flötentönen bezogen sie wenig später hinter dem Strünzer-Prinzen Stellung. „Wo seid ihr Botzedresser vum Rothuus? Kommt erus un' erjebt üch“, rief Baffy, während die Stadtoberen offensichtlich noch im bevorzugten Schlafmodus verharrten.

Rosenmontagszug in Linz

Lediglich der Erste Beigeordnete, der blau-wiesse Thomas Balasus, war zur Betreuung der Mi-Caremer um Roi Louis-Marie und Reine Rachelle vor der Rathaustür zu sehen. Dann kam aber doch Faust aus dem Gebäude, um mit dem Beigeordneten Michael Schneider, im Fastelovend besser bekannt als Nipf I. aus dem Jahr 2004, seinen Strohhügel zu besteigen. Währenddessen schlich sein dritter Stellvertreter, Ex-Kommissar „Flippo“ Karl-Heinz Wölbert, in seiner Funktion als Schlüsselbewahrer hinter den Linien der Stadtsoldaten herum.

„Was willst du mit den komischen Glitzerkugeln an deiner Seite? Weihnachten ist doch längst vorbei“, sagte Faust mit Blick auf die schillernden Jacken der beiden Adjutanten Shelly (Ralf Scheidt) und Franky (Frank Keller). Ein Bürgermeister habe Wichtigeres zu tun, als sich mit einem Würstchen von d'r Hüh abzugeben, sprach er dem Prinzen als Emigranten das Recht ab, sich als Herrscher der Strünzer Jecken aufzuspielen.

„Ich wohne zwar nicht mehr in Linz, bin aber Ruud un' Wiess von Kopf bis Fuß und trage das Wappen meiner Vaterstadt stolz auf meiner Brust“, entgegnete Baffy. Und setzte seine Geheimwaffe ein: den Stippeföttches-Danz. Und schon wibbelte die Tollität ihrem Motto folgend mit den Adjutanten und der Präsidentin Yvonne Adams-van Beek „links eröm un rächts eröm, un dat mit vill Jeföhl.“ Allerdings noch nicht „mitten im Jewöhl“, sondern eben auf dem Feldherrnhügel in sicherer Distanz zum Rathaus. Die aber war bald überwunden, sodass Baffy den Jecken auf dem Marktplatz im Namen der im Karneval scheinbar allgegenwärtigen Marie versicherte: „Et litt jet in d'r Luff. Et rösch noh Fastelovend un dat rösch jood“.

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