Kinderzug durch Selhof: Ohbach-Taucher trotzen dem Wolkenbruch

Kinderzug durch Selhof : Ohbach-Taucher trotzen dem Wolkenbruch

Beim Kinderkarnevalszug durch Bad Honnef-Selhof feiern große und kleine Jecken mit viel Musik und guter Laune.

Bei herrlichem Sonnenschein gestartet – und während des Zochs mit Seleffer Wasser getauft. Den Ohbach-Tauchern konnte der Wolkenbruch während des traditionellen Kinderzugs von Selhof jedoch nichts anhaben. Fast alle trugen Neoprenanzüge, Taucherbrillen, Flossen und hatten Sauerstoffflaschen dabei. Eine herrliche Zugnummer eines Freundeskreises, der aus Ex-KJG-Mitgliedern und aus ehemaligen Mariechen besteht, die mittlerweile die eigenen Kinder für den Karneval begeistern und sogar Schlauch- und Motorboot dabei hatten.

Die Idee kam den rund 40 Tauchern im vergangenen Sommer, als der Ohbach fast ausgetrocknet war und sie sich der Spiele an dem Bach während ihrer Kindheit erinnerten. Und auch an ihre Zoch-Teilnahme damals. Vor zwei Jahren hatten sie Premiere als Super-Helden. Ihr Wurfmaterial diesmal: Neben Kamelle eine Menge Schwämme für den Frühjahrsputz der Selhofer. Wasser muss eben sein. Der dreijährige Ben war mit einem Kescher zu Fuß unterwegs – und hatte es auf Fische oder auch Unrat aus dem Bach abgesehen. Taucher Mats (4) schlummerte schon bald im Schlauchboot.

Nicht unterzukriegen waren die großen und kleinen Ritter von der Löwenburg. Eltern und Pänz vom Kindergarten Sankt Martin hatten Burgen gebaut, sich als Ritter verkleidet und mit Helmen, Schwertern und Schutzschildern ausgerüstet. Da brauchte kein Selhofer Bange zu haben – die Zochteilnehmer waren bestens geschützt vor feindlichen Übergriffen von benachbarten Burgen des Siebengebirges.

Ohnehin: Wenn hier im Zoch Kugeln flogen, dann nur Berliner. Die Mitglieder der KG Halt Pol hatten wie immer Tausend Kräpfel in der Gulaschkanone und auf dem Damenelferratswagen geladen und reichten sie den bunt verkleideten Jecken am Zochrand. Und manchmal auch durch das geöffnete Fenster in die gute Stube, wo schon der Kaffeetisch gedeckt war.

Hatten die ATV-Sportler etwa besonders viele Berliner genascht? Nein, die Polster an den Oberarmen kommen vom harten Muskelaufbautraining. Motto der sportlichen Zochteilnehmer: „Wer den Muskelkater spürt, der hat wirklich hart trainiert!“

Toll auch wieder die KJG Selhof. Die Katholische Jugend sprüht im Karneval vor Ideen. Diesmal hatten die Jugendlichen ihren Wagen mit Achterbahn, Karussell, Hotdog-Bude und Luftballons bemalt. Ein Achterbahnwaggon – mit lebensgroßen Puppen – schwebte ganz oben auf der Gabel. Und hinter dem Wagen liefen die Akteure, die alle in einem Pappkarton mit Halterung und mit baumelnden Beinen steckten. Eine tolle Achterbahnfahrt – und keinem wurde schwindelig. „Selbst geklebt und selbst angemalt“, meinten Mara und Tabea. Die beiden Zehnjährigen hatten eine Menge Spaß. Für die Zuschauer indes gab es am Kassenhäuschen von Kassierer Niklas Frölich Freikarten – für eine Gruppenstunde bei der KJG.

Für Musik sorgte das Selhofer Tambourcorps Frei Weg. Die Musiker verteilten nicht nur Kamelle, sondern auch Trillerpfeifen. Auf dem Beipackzettel dieser jecken Medizin stand: „Wenn Du hier einen Ton rausbekommst, komm zu uns! Wir zeigen Dir mehr!“ Die schönste Werbung in eigener Sache war auch die Große Selhofer Karnevalsgesellschaft als Musketiere. Alle waren an Bord.

Und die Tanzgruppen sorgten für ein schönes Bild, nachdem sie in den vergangenen Wochen die Jecken in den Sälen begeistert hatten. Nach dem Zoch ging's schnell ins Trockene in den Saal Kaiser, wo Kinder für Kinder unter der Präsidentschaft von Tim Raffauf (15) eine tolle Karnevalssitzung feierten.

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