Prinzenproklamation in Bad Godesberg: Mehr als 850 Gäste jubeln in der Stadthalle

Mehr als 850 Gäste in der Stadthalle : Dem Prinzenpaar fliegen in Bad Godesberg die Herzen zu

Proklamation: Mehr als 850 Gäste bejubeln ihr neues Prinzenpaar Harald I. und Godesia Gabriele in der Stadthalle in Bad Godesberg.

Durch eine so große Narrenschar konnte lange kein Prinzenpaar mehr ziehen. Sage und schreibe 850 Jecke ließen bei der Proklamation in der Stadthalle ihre neuen Tollitäten hochleben – und erhielten als Dankeschön Strüßjer, Herzen und mehr, die das Prinzenpaar in die jubelnde Narrenschar warf. Beide genossen das Bad in der Menge sichtlich. Und ließen sich ausreichend Zeit, bis sie die Bühne erreichten. Um dort – zur Begeisterung der jecken Untertanen – ein kleines Tänzchen aufs Parkett zu legen. Wobei Prinz und Godesia, unterstützt von den Jecken,  inbrünstig „Schenk mir Dein Herz“ von den Höhnern mitsangen.

Vor allem die Kleffbotze und die Jecken Goten, aus deren Reihen Prinz Harald I. und seine Godesia Gabriele stammen, gaben alles. Kein Wunder also, dass die beiden das ein oder andere (Freuden-)Tränchen verdrücken mussten. Das erfasste auch Festausschusspräsident Armin Weins: „Karneval hat mit Empfindung zu tun. Da ist man manchmal froh, wenn das Publikum mitgeht und man schlucken kann.“ Als das Prinzenpaar dann offiziell um 21.02 Uhr die Insignien der närrischen Macht in den Händen hielt, war schnell klar: Diese beiden werden unter dem Sessionsmotto „Met Danz un Klaaf ruft Jodesbersch Alaaf!“ alles geben, was die jecke Regentschaft hergibt.

Unter das ausgelassene Volk, von dem jeder am Eingang bereits einen Orden bekommen hatte, hatte sich auch Oberbürgermeister Ashok Sridharan gemischt, seines Zeichens Bad Godesberger und Verfechter der Die-Hochschule-Muss-An-Die-Kurfürstliche-Zeile-Idee. Auf ihn wartete eine Überraschung. Denn der erste Student war schon angereist. In Person von Bezirksbürgermeister Christoph Jansen. Unter donnerndem Applaus zog er in die Stadthalle ein. Samt seiner Trompete. Der entlockte er zur großen Begeisterung der Narren das Godesberglied. Kein Wunder, dass die Schar kurzzeitig die Karnevalsmusik vergaß und inbrünstig einfiel. Für gute Stimmung sorgten außerdem Christian Pape,  die Kölsch Fraktion und Rabbaue. Ganz zum Schluss des Abends brachten die Klüngelköpp das Publikum noch mal auf Hochtouren.

Der – vermeintlich – studentische Nachwuchs, Jansen, vergaß seine musikalischen Ambitionen allerdings schnell. Der Bahnhofsvorplatz ein Pfützenmeer voller Bauzäune, kein Schwimmbad weit und breit, das Rathaus verrammelt und verriegelt. Nach Bonn zum Anmelden? „Dat is Driss.“ Genau wie der Zustand des Aennchens. Weiße Wände statt bemalter Fassade. Das ehemalige Studentenlokal – nicht wiederzuerkennen, „wenn Google mich nicht hingeführt hätte“.

Allerdings, so der angehende Akademiker, stilecht gekleidet mit Rucksack, blauer Kappe und Kopfhörern, in Sachen Stadtrundfahrt habe Godesberg einiges zu bieten. Auch wenn der Cabriobus demnächst verschwindet – die 610 verspricht eine gute Alternative zu sein. Schließlich durchfährt sie alles, was der Bezirk diesseits und jenseits seiner Grenzen zu bieten hat. „Der einzige Haken: Es kann Dir passieren, dass Du stundenlang an der Bushaltestelle stehst und der Bus kommt und kommt nicht.“

Und, welch ein Glück für die Godesberger: Das Städtische Gebäudemanagement hält sich aus Godesberg raus. Ist nämlich bis 2030 mit der Beethovenhalle beschäftigt. „Die Bonner haben deshalb jetzt ihr Karnevalsmotto geändert. Das lautet jetzt: Mer fiere Ludwig üverall, nur net in der Beethovenhall....“

Die frisch gekürten Tollitäten erklärten auf der Bühne auch sogleich ihre umfassende Liebe zum Stadtbezirk. „In Jodesberch jebore, in Friesdorf daheim, um für üch Prinz ze sin“, ließ Prinz Harald I. verlauten, der mit donnerndem Applaus belohnt wurde. Genau wie seine Godesia Gabriele, die die Jecken wissen ließ: „In Jodesberch jroß jeworde, von Senatore entdeckt, um für üch Godesia ze sinn. Zesamme mim Hännesche in de Hand regiere, un uns Hätz an Bad Godesberg verliere.“ Ihre Herzen schlügen für die Veedel und Vereine. Bei deren Schönheit verschlage es ihnen doch glatt die Sprache. Um Herzen ging es übrigens auch noch an anderer Stelle. Denn bei der Proklamation wurden die eigens von den Tollitäten entworfenen Fanschals verkauft. Der Erlös der Aktion ging an den Verein „Herzenswünsche“, der kranken Kindern ebensolche erfüllt. Von der Freude etwas zurückgeben, ist das Ziel des Prinzenpaares. Und das wurde schon bei der Proklamation voll erreicht.

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