KG Halt Pol feiert in Königswinter ihre Prunksitzung mit vielen Stars.

Vom Glück, Halt Pöler zu sein : So schön war die Prunksitzung Bad Honnef

600 Jecke erleben mit Bad Honnefs ältester Karnevalsgesellschaft Halt Pol ein fulminantes fünfeinhalbstündiges Auswärtsspiel in der CJD-Aula in Königswinter. Das Programm dauert bis weit nach Mitternacht.

Es war bereits 70 Minuten nach Mitternacht, als Domstürmer-Frontmann Micky Nauber bei der Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft (KG) Halt Pol mit dem Lied „Janz schön Kölle“ ankündigte: „Wir schunkeln Euch jetzt ins Bettchen!“ Arm in Arm stand da bereits der gesamte Elferrat mit den Musikern auf der Bühne in der Aula der Jugenddorf Christophorusschule, denn die Kölner Band war längst in der Verlängerung, hatte den begeisterten und herrlich verkleideten Besuchern schon eine Zugabe nach der anderen geschenkt.

„Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching“ – ohne Domstürmer wäre Karneval eben nur halb so schön. „Ihr seid echte Halt Pöler“, jubelte Präsident Jörg Pütz und meinte nicht nur die 600 Jecken im Saal, sondern auch die Domstürmer, echte Fründe eben. „Tschüss zesamme“, sagte Micky Nauber um 1.13 Uhr. Die lange Nacht der Halt Pöler war nach fünfeinhalb Stunden mit einem furiosen Finale beendet. Am 3. Februar 2021 gibt es ein Wiedersehen: „Dann wieder zu Huss bei uns im Kurhaus“, meinte Präsident Pütz und zog seinen Hut vor dem „grandiosen Publikum“. Sein Dank galt aber auch den Königswinterern, die nicht gezögert hatten, den Honnefern in dieser Session Asyl zu gewähren und sie bestens zu unterstützen.

Zweite Heimat Königswinter

„Das ist gelebte Völkerverständigung“, unterstrich Rüdiger Theuerkauf, Festausschussvorsitzender Altstadt-Karneval, der mit der Königswinterer Altstadt-Prinzessin Annika I. und den Bad Honnefer Stadtsoldaten als „Begleitkommando“ der Majestät aufzog, um Halt Pol die Aufwartung zu machen. Und weil die Drachenfelsperlen der Großen Königswinterer KG ein „Bazillus“ zur Pause zwang, sprang Postalia-Präsidenten-Tochter Cassandra Wichelhoven mit einem tollen Solotanz ein. Danach Ordenstausch der Gesellschaften – und Jörg Pütz meinte: „Königswinter ist meine zweite Heimat!“

Dennoch: Guido Cantz, der Mann für alle Fälle, begrüßte die Jecken im Saal „zum Auswärtsspiel in der Diaspora Königswinter“. Und der bestens aufgelegte Top-Redner, der die gesellschaftlichen Entwicklungen unter die Lupe nahm, lobte mit Blick auf den Kursaal: „Bad Honnef kann im Zeit- und Kostenrahmen sanieren. Das wäre in Köln undenkbar. Ich fürchte, unsere Oper wird noch teurer als die Elbphilharmonie!“ Er kritisierte einen Hamburger Kindergarten, der im vergangenen Jahr den Kindern die Verkleidung als Cowboy und Indianer verboten hatte wegen vorurteilsbewusster Pädagogik. „Falsch, die Kinder wollen nur Karneval feiern. So entstehen erst Vorurteile.“ Und er berichtete von seinem Erlebnis in einer Porzer Metzgerei, als ein junger Mann nach veganer Flönz fragte, die Metzgersfrau ihm beschied: „Nein, aber wir haben Tofu aus Tartar!“

Herrlich auch Lieselotte Lotterlappen. Kurz vor Mitternacht erst hatte sie sich zunächst ins Publikum und dann auf die Bühne „geschlichen“. Und dabei nahm sie einige aufs Korn. „Ach Gott, ich hatte gedacht, das ZDF hätte die Mainzelmännchen längst abgeschafft“, meinte sie zu einem Zuschauer. Und dann stellte sie fest: „Der Elferrat ist ein Spiegelbild des Saals – Sie sind ein wunderbares Publikum!“ Sie sang, spielte Trompete. Von wegen sie: Lieselotte mit Dutt, roter Bluse und kariertem Rock ist ein Mann. Er heißt Joachim Jung und studierte einst Germanistik und katholische Theologie auf Lehramt.

Aus Berlin angereist waren die Huusmeister vom Bundesdaach und Halt-Pol-Elferräte, Axel Foppen und Frank Fander, um zu singen: „Kein schöner Land weit und breit … – regiert von Blinden unter den Linden in Handarbeit“. Herrlich ihre Anekdoten aus dem Merkel-Dom. Was AKK alles geleistet habe als Selbstverteidigungsministerin. Und: „Warum hat die SPD eine Doppelspitze gewählt? Damit Kevin nie mehr allein zu Hause ist!“

Halt Pol hatte mit Cat Ballou, den Paveiern und den Klüngelköpp weitere drei Spitzenbands für die Prunksitzung angeheuert. Das jecke Publikum geriet in Extrem-Entzücken. „Immer, immer wieder“, sang es mit Cat Ballou, hüpfte wie in der Fankurve des 1. FC im Takt. Und Micky Brühl von den Paveiern fragte in der Ersatzspielstätte: „Ist denn auch hier Fastelovend-Stimmung?“ Und wie! Außerdem trösteten die Paveier: „Dat jeiht vorbei …“ Das nächste Weihnachtskonzert mit ihnen findet wieder im Kursaal statt. Mit den Klüngelköpp flogen die Halt Pöler nach Mitternacht im Ballon – dahin, wo die Stääne sin. Es regnete Sternschnuppen-Konfetti. Schließlich versicherte Sänger Frank Reudenbach: „Mir sin jedäuf mit 4711“ – und das Publikum stimmte ein.

Was Brauchtum den Halt Pölern bedeutet, zeigte besonders die Verpflichtung der Hellige Knäächte un Mägde, die mit ihrem Tanz begeisterten, und zum Auftakt die Fidele Kölsche, die Brauchtumsgruppe, die Tradition mit Hätz un Siel pflegt, in der Kleidung vun annodunnemals und mit Pauken und Trompeten. Köstlich! Auch wenn der Kursaal das Wohnzimmer von Halt Pol ist – auch das Auswärtsspiel war prunkvoll.