Rathaussturm im Königswinter: Premiere in Oberpleis ohne roten Teppich

Rathaussturm im Königswinter : Premiere in Oberpleis ohne roten Teppich

Karnevalisten erobern das als Schauspielhaus getarnte Rathaus, um die Fortsetzung von „50 Jahre jeck in Königswinter“ zu drehen. Bürgermeister und Regisseur Peter Wirtz hatte nur wenig Chancen.

So kennt man das von großen Filmpremieren: Während drinnen Stars, Sternchen und Promis die Champagnergläser klingen lassen, stehen sich die Fans draußen vor den Türen bei Wind und Wetter die Füße platt. Bei der groß angekündigten Uraufführung des Streifens „50 Jahre jeck in Königswinter“ gestern in Oberpleis war das nicht viel anders. Mit dem Unterschied, dass man hier allerdings sogar den Hauptakteuren den Zutritt zur illustren Gesellschaft, die da auf der ersten Etage des Pleeser Schauspielhauses feierte, verwehrte.

Kein Roter Teppich war für die Königswinterer Karnevalisten ausgerollt worden, stattdessen standen die eigentlichen Stars, nämlich die Prinzenpaare und ihr Gefolge, vor verschlossenen Türen. Offensichtlich wollten Regisseur Peter Wirtz und seine geladenen Ehrengäste, darunter Landrat Sebastian Schuster, lieber unter sich bleiben. Kein Wunder, dass es vor den Kulissen des Kinopalasts gewaltig rumorte: Die Jecken fühlten sich wie in einem schlechten Film und machten ihrem Unmut mit Knallerei lautstark Luft. Zu allem Übel goss Filmboss Wirtz noch Öl ins Feuer, indem er den Jecken riet, sich lieber noch eine Runde aufs Ohr zu legen: „Für die Funken heißt das: links eröm und rächs eröm und dann ab nach Hause.“

Für die aus dem Tal Angereisten kündigte sein Kompagnon Schuster an, Freifahrtkarten für den Bus spendieren zu wollen. „Und dann guckt ihr euch heute Abend gemütlich die Fernsehsitzung im ZDF an“, klang es überheblich vom Rathausbalkon herunter. Da riss den Tollitäten der Geduldsfaden. Allerdings dachten sie nicht daran, den Filmbossen auch noch die erwartete filmreife Vorstellung abzuliefern und über die Leiter ins Festspielhaus zu klettern. Stattdessen hatte man im Vorfeld Helfershelfer eingeschleust, die nun heimlich von innen die Türen öffneten.

Da nutzte es auch nichts mehr, dass Wirtz behauptete, dies sei alles nur Taktik: „Die Tür geht gleich hinter den Tollitäten wieder zu und dann haben wir die im Sack.“ Hilflos musste der große Macher miterleben, wie ein Prinzenpaar nach dem anderen den Kinosaal stürmte und sich über Berliner und Mettbrötchen hermachte. Immerhin fand das Ganze doch noch ein filmreifes Ende: Im großen Kinosaal wurde gemeinsam die Fortsetzung von „50 Jahre jeck in Königswinter“ gedreht.

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